WIE OFT SCHON ?

Wie oft schon, frage ich mich heute, war ich schon in der selben Situation wie heute, dass  kein Licht mehr zu sehen ist in der virtuellen Beziehung, die vor 6 Jahren begann.

Einer Beziehung in der von der einzigen und wahren grossen Liebe gesprochen wurde, und dem gemeinsamen Traum und Wunsch, diese zu einer realen zu machen.

War es bereits fünfmal oder schon zehnmal, dass wir uns schriftlich im Blog,  und/oder verbal über Skype,  die schlimmsten Vorwürfe machten, wer wohl die meiste Schuld daran hat, dass es uns bislang noch nicht gelungen ist, einen für beide gangbaren Weg zu finden.

Heute frage ich mich, ob wir denn das jemals beide wirklich wollten? Ob es für uns beide nicht viel unbeschwerter und unkomplizierter war, uns mit den Träumen davon zu begnügen?

Doch wir beide nicht den Mut hatten das zuzugeben – vorallem was mich anbelangt. Ich bin seit Jahrzehnten mit einem Mann verheiratet, der schon sehr bald nur noch die Herzlichkeit einer Tiefkühltruhe und die Agilität einer Schlaftablette hatte. Doch er ist seit 20 Jahren in Pension,  anspruchslos und verträglich, und es genügt ihm vollauf, seinen Tag mit Bücher, Zeitungen und Fernsehen zu verbringen, und lässt mir mein Leben leben, so wie es mir gefällt.

Ob es mir allerdings so gefällt, danach fragt er nicht. Doch danach hatte auch meine virtuelle Liebe, nennen wir ihn Hans, niemals gefragt. Denn im Grunde genommen, sind die beiden sich sehr ähnlich.  Auch Hans steht kurz vor der Rente, aber seit etwa 8 Jahren wegen eines Burnouts erwerbsunfähig, und auch er will im Grunde nichts anderes, als einfach nur in Ruhe gelassen werden.

Ein geruhsamer Tagesablauf, wo nur das Allernötigste gemacht wird, denn zu mehr würde es schon ein bisschen Anstrengung bedürfen, zu der er sich eher selten aufraffen kann.

Im Klartext eigentlich ein Leben, in das eine Frau mit noch ein bisschen Leben in den Knochen nicht wirklich hinein passen würde, ohne die eh schon schwer bedienten Nerven noch mehr zu strapazieren.

Also bleiben ein paar kurze Mitteilungen am Tag,  und hin und wieder ein Skypegespräch mit Smalltalk übrig, und das Ganze bekam den Namen „Du bist die grosse Liebe meines Lebens“ , und dass man aus tiefstem Herzen innigst geliebt wird.

Überlegungen, wie er noch ein paar Jahre beruflich Fuss fassen könnte, wurden vor Jahren schon einfach abgeschmettert und mit Zweifel und Ängsten zubetoniert.  Genauso wie der Vorschlag, dass wir uns ein warmes Plätzchen suchen wie z.B. in Costa Rica zu leben, wo wir mit einiger finanzieller Sorgfalt ganz sicher noch viele Jahren eine schöne Gemeinsamkeit hätten.

Und jetzt sitze ich hier und gebe mir die Schuld daran, weil ich mich mit Hans genauso einsam und verlassen fühle, wie in dem Leben mit meinem Mann, und deshalb keinen Sinn mehr darin sehe, diese Beziehung noch fortführen zu wollen.

Ich war es ihm nicht wert mit damals 56 Jahren noch ein paar Jahre weiter zu arbeiten, um mir die Chance zu geben, meinen Mann verlassen zu können um bei ihm leben zu können.

Und jetzt bin ich es ihm nicht wert, sich mit mir in einem anderen Land umzusehen, wo wir gemeinsam weit günstiger leben könnten, als in Deutschland, wo das Amt von dem er Hartz IV bezieht, „angeblich“ grosse Schwierigkeiten machen würde, wenn ich bei ihm einzöge.

Ich schreibe deshalb „angeblich“ weil er es ja noch nicht einmal schaffte korrekte Informationen einzuholen, nach denen man sich orientieren könnte, was ja wohl den Verdacht erwecken lässt, dass er gar kein wirkliches Interesse hat. Oder könnte man das auch anders sehen? Ich weiss es nicht ?

Ich weiss nur, dass ich nur noch gähnende Leere fühle in meinem Herzen, und es mir einfach nicht mehr gelingen mag, hier noch an die „so grosse Liebe“ zu glauben.

Vorallem aber, wenn da nur nicht dieses so massive Schuldgefühl wäre, dass alles meine Schuld ist!  Dass ich nicht liebenswert genug war?  Dass ich kein Recht habe glücklich zu sein? Dass ich egoistisch und gemein bin?

Quälende Fragen und seelische Konflikte, die mir das Leben zur Hölle machen.

6 Antworten auf „WIE OFT SCHON ?

  1. Hallo du! (Leider kenne ich deinen Namen nicht)
    Deine hier beschriebene Geschichte hat mich echt berührt. Und ich will dir einfach sagen: Du hast das Recht, glücklich zu sein.
    Dieses „Recht“ verlangt jedoch nach Taten und diese wiederum nach Konsequenzen. Ich hoffe für dich, dass du deinen Weg zum Glück findest:)
    Ganz lieben Gruss,
    Remo

    Gefällt 2 Personen

    1. Vielen lieben Dank, Remo

      Ich wünsche Dir ebenso, dass Du die richtigen beruflichen Entscheidungen triffst.
      Denn wenn jemand noch so jung ist wie Du, dann ist die Berufswahl bzw. der richtige Arbeitsplatz die Grundlage für seelisch/geistige Stabilität.
      Die Abkürzungen meiner beider Vornamen sind D.B. (Deebee) und ich bin gläubige Jüdin.
      Wünsche Dir also ein herzliches
      Schabbat Schalom
      und ganz liebe Grüsse aus Wien
      Deebee

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  2. Liebe, „gähnende Leere“ hört sich doch gut an. Dann ist Platz für etwas ganz Neues, Schönes, Erfreuliches 🙂 Erst einmal in Dir und dann kann das auch nach Außen strahlen bis es über alle anderen Menschen zurückstrahlen kann.

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    1. Ich hatte die Kommentarfunktion gelöscht, nachdem ich unangenehme Kommentare erhielt.
      Habe sie allerdings jetzt wieder geöffnet, in der Hoffnung, dass derjenige von weiteren unangenehmen Kommentaren Abstand hält.

      Gefällt 1 Person

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