TAGEBUCH – FREITAG, 26. JUNI 2020

Seit 9 Tagen bin ich jetzt schon im Krankenhaus, und seit 3 Tagen aus der Intensivstation.
Denn am Donnerstag den 18. Juni gegen 15h erlitt ich einen Schlaganfall, der sowohl für mich, und auch aufgrund aller bisher gemachten Untersuchungen, die alle o.B. waren, für die Ärzte hier ein Rätsel ist.

Ich hatte mich nach ein bisschen Gartenarbeit zum Ausruhen hingesetzt, und als ich den Deckel meines Lapis öffnen wollte, wunderte ich mich, wie schwer sich der linke Arm anheben liess.
Also versuchte ich ein paar Lockerungsübungen, doch es wurde schlimmer anstatt besser.
Und plötzlich merkte ich, dass auch mein linkes Bein schwächer wurde, und da hatte ich schon einen bösen Verdacht und versuchte hinauf in den Stock zu kommen, wo mein Mann einen Nachmittagsschlaf hielt.

Doch ich stürzte hin, als ich die Türe öffnete, was meinen Mann weckte, und ich fing an irgend was zu lallen.

Da sprang er aber schon auf und schrie: Um Gottes Willen Du hast einen Schlaganfall. Bleib liegen ich rufe sofort die Rettung“

Die waren 20 Minuten später zur Stelle und fuhren mich mit Blaulicht in ein Krankenhaus im 3. Bezirk, das für seine ausgezeichnete „Stroke Unit“ bekannt ist.

Während der Fahrt war es mir nicht mehr möglich, das linke Bein und die linke Hand zu bewegen, doch das Sprechen klappte wieder besser, sodass ich klare Aussagen machen konnte.

Im Krankenhaus angekommen landete ich augenblicklich in der Röhre und es wurde ein MRT gemacht, das allerdings keinerlei Verstopfungen oder sonstige Schädigungen anzeigte.

Während dieser Untersuchung, die ungefähr eine halbe Stunde dauerte, spürte ich auch wie sich die Lähmungen langsam auflösten.
Und eine ganze Stunde später, als ich bereits in der Intensivstation lag, war alles wieder so in Ordnung, als wenn niemals etwas gewesen wäre.

Innerhalb der letzten 9 Tage wurde alles durchgecheckt, was infrage käme, doch auch hier liess sich nichts mehr finden.

Der Verdacht blieb also bei einem Vorhofflimmern hängen, und ich erklärte mich bereit mir einen „Reveal Ling“ implantieren zu lassen, um damit bei einer Studie mitzumachen, was mir die Kosten von insgesamt € 8.000.- erspart. Dieser Chip macht dann zu Hause nachts Aufzeichnungen die er ans Spital sendet, wo man ein Vorhofflimmern erkennen könnte.
In diesem Fall würde nämlich eine noch stärkere Blutverdünnung erforderlich sein, als die ich jetzt bekomme. Das Thrombo Ass jetzt soll verhindern, dass das Blut zu dick wird, und dann Probleme beim Durchfliessen macht, doch es zeichnet mich nicht als Bluter aus, was beim stärkeren Medikament bei Vorhofflimmern sehr wohl der Fall wäre.

Jetzt machte durch das lange Liegen natürlich auch der Blutdruck Ärger, und ich musste eine 24 Stunden Messung machen, und wurde medikamentös neu eingestellt.
Ebenso muss das Cholesterin noch weiter gesenkt werden, als das bisherige Ziel, wobei allerdings das Krankenhaus die Behandlung übernimmt d.h. ich habe laufende Kontrollen in der Ambulanz bis die Werte akzeptabel sind.

Leider konnte bis heute das erforderliche Herz-Echo noch nicht gemacht werden, was aber Grundvoraussetzung ist, dass ich in der Studie bleiben kann.

Jetzt hoffe ich, dass ich am Montag diese Untersuchung noch bekomme um am Dienstag nach Hause zu können.

Ich versuche verzweifelt mir nicht vorzustellen, wie meine Hunde sich weigern irgend was anderes zu tun, als im Vorzimmer zu liegen und darauf warten, dass ich endlich bei der Türe herein komme – so der Bericht meines Mannes.

Gott sei Dank fressen sie aber, und nehmen die von mir angeordnete Doppelration Leckerle gerne an.
Mein Daniel ist 14 Jahre bei mir und Aaron 9.5 Jahre. Und sie waren nicht einen einzigen Tag ohne mich.
Eine mentale Katastrophe für die Hunde, doch ich kann wegen ihnen nicht den Krankenhausaufenthalt abbrechen, was ich nämlich vor zwei Tagen vorhatte. Denn mir wurde gesagt, dass es ausgesprochen gefährlich wäre, einen zweiten Schlaganfall zu riskieren, wenn eben nicht alle Untersuchungen gemacht werden konnten.

Ebenso sagt man, dass ein zweiter, stärkerer Stroke gerne innerhalb der nächsten 10 Tage geschieht, und es ratsam wäre, wenn ich mich dann noch im Haus befinden würde.

Aber im neuen Zimmer jetzt habe ich einen WLAN Anschluss, und mein Mann hat mir heute meinen Lapi gebracht, und ich denke, jetzt wird es einigermassen erträglich sein für mich, wenn ich mich wieder im Internet herumtreiben kann…hihi

PS: Meine heissgeliebten Rotweinsessions sind damit auch Vergangenheit, denn ich habe auf Lebenszeit absolutes Alkoholverbot. 😥 😥

5 Kommentare zu „TAGEBUCH – FREITAG, 26. JUNI 2020

  1. Ich sende Dir die besten Genesungswünsche!

    Im Juni 2018 hatte ich ebenfalls einen Schlaganfall und konnte mit einem Mal nicht mehr laufen oder stehen. Grund dafür war Vorhofflimmern. Nun muss ich seit der Reha einen Blutgerinnungshemmer nehmen und habe aufgrund des Bewegungsmangels ca. 20 kg zugenommen. Laufen fällt mir nach wie vor schwer, aber ich bewältige meinen Haushalt alleine. Freue Dich über die Gesellschaft Deines Mannes und über die beiden Hundchen, die Dich sicherlich trösten.
    Alles Gute für Dich!

    Herzliche Grüße von Gisela

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    1. Liebe Gisela
      Da hat es Dich zweifellos heftiger erwischt als mich, denn die totale Kraftlosigkeit im linken Bein, und der linken Hand, und die Sprachstörung waren innerhalb einer Stunde wieder völlig in Ordnung.
      Ich muss allerdings auch einen Gerinnungshemmer, und zwar Thrombo Ass 100mg, nehmen, der verhindern soll, dass es nochmals zu so einem Vorfall kommt.
      Doch der Schrecken sitzt noch sehr tief, und nachdem ich seit meiner Jugend an Depressionen leide, und zu allem Überfluss auch noch eine generalisierte Angststörung habe, haben sich diese beide Krankheiten natürlich auch verschlimmert.
      Von der Pandemie will ich gar nicht erst sprechen, was die mich schon an Panikattacken gekostet hat.
      Mein Mann ist mit 76 fast 10 Jahre älter als ich, und dem sitzt ebenso der Schreck in den Gliedern.
      Und mein Daniel, ein weisser Havaneser ist im 15. Lebensjahr und kann von Tag zu Tag immer schlechter gehen, was heisst, dass seine Tage zweifellos gezählt sind, und ich mich sehr fürchte vor dem Tag, wo es gar nicht mehr geht bei ihm.
      In Wien wird man von staatlichen Institutionen betreut, wenn man gehbehindert ist – darf ich davon ausgehen, dass es in Deutschland auch so ist?
      Bekommst Du weiterhin Physiotherapie?
      Drück Dich ganz lieb im Gedanken ❤

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      1. Danke für Deine Antwort,
        als ich die Reha nach zwei Monaten verließ, konnte ich kaum laufen. Ein bisschen am Stock oder mit dem Rollator. Jetzt laufe ich wieder, aber nur ca. 200 Meter. Dann muss ich Pause machen. Hatte mir einen schicken neuen Wagen gekauft, der steht nun vor der Türe. Ich mag nicht mehr gerne fahren und sitze den ganzen Tag zu Hause. Lebensmittel lasse ich mir liefern. Bequem, aber ich verlasse meine Wohnung kaum noch.
        Gott sei Dank war es bei Dir nicht so schlimm. Physiotherapie bekomme ich nicht…eigentlich fühle ich mich auch von der Krankenkasse alleine gelassen. Ich muss Eliquis einnehmen, was u. a. den Blutdruck senkt. Deshalb ist mir oft schwindelig.
        Das Schlimmste war im letzten Jahr, als mein jüngster Sohn an plötzlichem Herztod starb…ganz unverhofft. Er hatte sich immer um mich bemüht und um meine beiden Katzen. Die wurden von ihm versorgt, wenn ich im Krankenhaus war. Nun ist niemand mehr da, und ich habe Angst, dass meinen Tieren etwas passiert. Sie sind erst 5 Jahre alt. Da hat Dein Hund ein stolzes Alter. Man hängt so sehr an den kleinen Seelen. Sie trösten uns immer wieder. Aber sie sollen sich nicht quälen.
        Es hilft nichts: Wir müssen gesund werden und bleiben! Alles ist in Gottes Hand. Deshalb brauchen wir uns nicht zu fürchten. Alles ist gut und liegt auf unserem Weg.

        Ich wünsche Dir einen schönen Abend und guten Wochenanfang.

        Liebe Grüße
        Gisela

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