DANKBARKEITS – TAGEBUCH 8

Gestern war ich auf einem absoluten mentalen Tiefpunkt angelangt, denn ich sah keine zufriedenstellende Lösung wegen der Kellersanierung.

Die Vorstellung, dass die angebrachten Bodenfliesen und die sich darunter befindliche Klebemörtelisolierung ebenso auch an allen Kellerwänden ja komplett entfernt werden müssten, um eine neuerliche Isoliermasse aufzutragen, liess mich förmlich vor Grauen erstarren, wenn ich ehrlich sein darf.

Denn das hiesse für mich stundenlanges oder sogar tagelanges Bohren, Hämmern und Stemmen im Haus, und vorallem die Anwesenheit von vielen Menschen im Haus, die wohl kaum bei der Arbeit Masken tragen würden.

Das war für mich ein solches „NoGo“, dass ich mir auf You Tube Video ansah, wo der Vorschlag meines Installateurs demonstriert wird, eine Vertiefung in den Boden zu machen, um dort eine Pumpe zu platzieren, die sich sofort einschaltet, wenn Wasser von aussen eindringt, um es in den Abwasserkanal zu befördern.

Und ebenso gibt es sogenannte Taucherpumpen, die soweit flachsaugend sind, dass diese eventuell auch noch woanders eintretende Feuchtigkeit augenblicklich aufsaugt.

Dass ich sehen konnte, wie sowas funktioniert, hat mich jetzt soweit desensibilisiert, dass ich heute einigermassen beruhigt meinen Installateur anrief, um ihm diesen Auftrag zu geben.

Für kommende Woche sagen die Wetterfrösche wieder trockenes Wetter mit frühlingshaften Temperaturen an für Wien, was mich hoffen lässt, dass in einer Woche, alles was in den Keller gehört, und sich jetzt überall im Haus staut, sich auch wieder dort befinden wird.

So Gott will – Baruch ata Adonai, Elohenu, Melech ha Olam.

Ein herzliches Schabbat Schalom allen meinen Lesern

TAGEBUCH – 15. Oktober 2020

Gestern holte uns ein grosses Problem wieder ein, dass wir schon vor rund 30 Jahren zu lösen versuchten, nämlich die Kellerwände und Böden von innen zu isolieren. Damals fanden wir jemanden, der bereit war den Keller mit dieser damals entsetzlich stinkende Masse, die jedem der nahe kam die Tränen aus den Augen drückte, einzustreichen.

Gestern mussten wir mit Entsetzen feststellen, dass diese Isolierung wohl aufgerissen sein muss, denn es kamen grosse Mengen an Wasser aus einer Ecke und zwischen den Bodenfliesen von draussen herein.

10 alte Handtücher waren im Einsatz, die alle 20 Minuten vollgelaufen ausgewunden werden mussten, um zu verhindern, dass uns der gesamte Keller unter Wasser kommt.

Dazu kam natürlich das Ausräumen desselben von allen Sachen, die wir tragen konnten, und man möchte nicht glauben, was sich in dieser Zeit alles angesammelt hat.

Zum Glück gelang es uns auch zwei Männer von einer Entrümpelungsfirma zu bekommen, die uns die zwei Gefrierschränke, die Waschmaschine und die 3 Kästen herauf holten, die wir niemals hätten tragen können.

Es sah nicht im geringsten danach aus, dass sich diese Wassermassen reduzieren würden, denn es regnete bereits 48 Stunden am Stück, doch im Gegensatz zum Coronavirus (macht der Scheisskerl leider nicht) – bremsten sie tatsächlich gegen Abend zu ein, und hörten um 22h ganz auf.

Doch war es sicher nicht umsonst, dass wir alles aus dem Keller schafften, denn die Isolierung ist zweifelsohne defekt und muss jetzt natürlich erneuert werden.

GsD haben wir in Wien einen Sachverständigen, den Günther Nussbaum, den wir anriefen, und der uns entsprechend beraten wird, welche Neuisolierung für uns die zweckmässigste wäre. Und wenn wir Glück haben, dann vermittelt er uns auch eine seriöse Firma.

Der Schreck sitzt uns allerdings immer noch in den Knochen, und wir können nur hoffen, dass sich alles schnell klärt und in die Wege leiten lässt.

Gestern war ich allerdings fertig mit den Nerven und am Rande meiner physischen Kräfte angelangt und erinnerte mich an meinen Taufspruch, den der Pastor bei den Baptisten für mich ausgesucht hatte:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! 2 Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen. 3 Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. Jesaja 43

Baruch ata Adonai, Elohenu, Melech ha Olam

GEDANKENSPLITTER-ANGST

Sah soeben im Internet ein Riesenposter mit Donald Trump als Rambo, also als Kampfmaschine mit Maschinengewehr. Und mit diesem Bild ziehen die Menschen in Michigan durch die Strassen, und machen Werbung für ihren Präsidenten.

Wo liegt hier wohl die Grundlage dieses Posters?

Ich würde meinen in der Furchtslosigkeit!

Doch wenn man sich das Bild eines Furchtlosen zum Vorbild macht, dann hiesse das doch, dass diese Menschen Angst haben! Doch wovor? Was ist ihre grösste Angst? Ich glaube nicht, dass es das Coronavirus ist, wenn ich mal spekulieren darf, sondern dass es sich weitverbreitet um ihre Mitmenschen handelt.

Diese Mitmenschen, die einer anderen Rasse angehören und die eine andere Hautfarbe haben als sie selbst.

Diese Menschen, von denen sie erwarten, dass es ihre Feinde sind, und die nichts anderes im Sinn haben, als ihnen Böses zu tun.

Und genau diese Ängste sind in uns Menschen tief verankert, und werden seit tausenden von Jahren praktiziert und gelebt – ohne dass es irgend jemanden jemals gelungen war, dieses Schreckgespenst aus der Welt zu schaffen.

Wer z.B. frage ich mich, käme auf die Idee Tiere gemeinsam in einem Käfig zu halten, von denen bekannt ist, dass sie keinerlei Gemeinsamkeiten haben, sondern ganz im Gegenteil, sich einen erbitterten Kampf auf Leben und Tod liefern würden?

Doch bei uns Menschen setzen viele voraus, dass es möglich sein müsste, alle auf einen gleichen Nenner zu bringen – und das obwohl die Praxis seit vielen Jahrtausenden anders aussieht.

Mag sein, dass ich da eine Milchmädchenrechnung im Sinn habe, doch könnte es denn nicht viel einfacher sein für uns alle, wenn wir räumliche Unterschiede machen würden?

Hmm….Österreich hat z.B. 9 Bundesländer. Also könnte man doch die Österreicher in 9 verschiedene Meinungsvertreter aufteilen? Und dass wir Menschen dann nicht einfach nur nach Wohnungen und Häusern suchen, die uns gefallen, sondern uns dort niederlassen, wo Gleichgesinnte leben?

Wenn es in Wien z.B. einen Bezirk gäbe, in dem ausschliesslich Türken leben, und einen anderen in dem ausschliesslich Menschen gleicher Rassen leben etc, dann hätten alle ihr Territorium, in dem sie sich wohlfühlen, und die Ängste vor einander würden sich immens minimieren.

Hmm….hmm ??? Wie gesagt – einfach nur Gedankensplitter.

ICH FÜRCHTE

dass es dann vermutlich wirklich der letzte Sommer war für meinen Fliederbaum, denn eben lese ich in den Nachrichten, dass es in Europa Massen an Kastanienbäumen trifft, die mit einer Herbstblüte noch das letzte aus sich herausholen möchten.

Philipp Schönfeld vom Projekt „Stadtgrün 2021“ der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) sagt: „Salopp formuliert gilt das Prinzip: Wenn ich ohnehin sterben muss, möchte ich bis dahin wenigstens noch möglichst viele Nachkommen zeugen.“ Die Herbstblüte ist ein letztes Aufbäumen eines Baumes, der den Frühling vielleicht nicht mehr erlebt.

Als ich diese Formulierung las, wurde mir sehr schwer ums Herz, denn ein Kastanienbaum war es, der mich durch meine Kindheit begleitete. Er stand unmittelbar vor unseren Fenstern im 3. Stock eines Wiener Gemeindebaues, und ich konnte jeden Abend die vielen Vögelchen hören, die in seinen Ästen sassen und ihr Abendlied sangen.

Ich komme nur sehr schwer klar damit zur Kenntnis nehmen zu müssen, dass so vieles, was mir in meinem Leben wichtig war, bald nicht mehr existieren wird.

Muss aber auch zugeben, dass ich im Augenblick keine stabile Seelenstimmung habe, denn nach einer fast sommerlichen Woche kam gestern Abend der Herbst mit Regen und starkem Temperaturrückgang nach Wien.

Und die Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind in der letzten Woche förmlich explodiert. Waren es vor zwei Wochen noch 6-700 am Tag so sind wir jetzt bei über 1.200 angekommen, Tendenz steigend, von denen sich zwei Drittel nicht zurück verfolgen lassen. Mit einem Wort: die Sache ist ausser Kontrolle und die Regierung trägt sich mit dem Gedanken ab 16. November einen erneuten dreiwöchigen Lockdown zu starten.

Und ich muss ehrlich zugeben, dass mir das ganze eine Scheissangst macht…..Gott sei uns gnädig!

EIN NARRISCHER FLIEDERBAUM?

Oder das sich letzte Aufbäumen, bevor nichts mehr geht?

Denn letzteres kam mir in den Sinn, als ein grosser Ast meines Fliederbaums schon im Hochsommer alle bereits völlig verdorrten Blätter abwarf.

Und jetzt staune ich nicht schlecht zu sehen, dass genau dieser Ast neue Blüten ausgetrieben hat.

Soetwas kenne ich nämlich nur aus einem Wiener Lied, was aber nicht für einen Flieder sondern für einen Kastanienbaum geschrieben wurde.

TAGEBUCH – 7. Oktober 2020

Der gestrige Tag war im wahrsten Sinn des Wortes ein mentaler Horrortrip.

Denn der Weg in den 3. Bezirk, der mir geläufig war, war nicht mehr der, wie ich ihn nach geschätzten 20 Jahren in Erinnerung hatte. Da wurden ganze Häuserblocks abgerissen, Gassen verlegt und neue Zufahrtswege gestaltet, mit Richtungsweiser und entgegen gesetzten Einbahnen, wo man sich nur auf den Kopf greifen kann.

Nach mehr als einer Stunde hatte ich es dann geschafft in die Juchgasse, in der sich die Krankenanstalt Rudolfsstiftung befand, zu kommen, und konnte es gar nicht glauben, dort sogar einen Parkplatz zu finden – Dank der „grossartigen“ Regelung vor einigen Jahren, die gesamte Stadt zur Kurzparkzone zu erklären.

Eine gute Viertelstunde dauerte es dann weiter, bis ich mich durch Menschenmassen durchgekämpft hatte, die wohl alle auf eine ambulante Behandlung bestellt waren, um die richtige Abteilung zu finden, wo ich mich anzumelden hatte. Gott sei Dank wartete da nur ein einziger, und konnte mich ein wenig entspannen, bis ich nach einer weiteren Viertelstunde aufgerufen wurde.

Nach etwa einer Stunde war dann mein Herzmonitor abgelesen gewesen und ich erfuhr von dem Arzt, der mMn viel zu nahe dauernd neben mir stand, dass weit und breit kein Vorhofflimmern zu erkennen war. Und dass ich den Recorder, der sonst neben meinem Bett steht um nachts die Aufzeichnungen zu machen, nicht hätte mitschleppen müssen, was mir jede Menge Ärger erspart hätte, denn dieser weigerte sich dann zu Hause wieder von mir eingestellt zu werden.

Auf meine Mail an die zuständige Dame für den Recorder bekam ich abends dann die Information, dass es auch bei anderen Patienten schon Schwierigkeiten gab, ihn neu einzurichten, nachdem er vom Strom genommen wurde, und sie sich morgen wieder meldet, um mir zu sagen, ob die Verbindung trotzdem intakt ist, oder der Recorder umgetauscht werden muss.

Jetzt kann ich nur hoffen, dass es mir gelingt am 25. Jänner den Anweisungen des Recorders für eine „spezielle Sendung der Daten“ zu folgen, die es mir ersparen würden, zur nächsten Ablesung im Krankenhaus zu erscheinen, und diese dann erst am 13. April 21 vorgesehen ist.

DER ENGEL

Irgendwie beängstigend sich vorzustellen, welch massiver Unterschied zwischen unseren Welten doch besteht.

Der Engel …

»Wo bist du hin? Noch eben warst du da –
Was wandtest du dich wieder abwärts, wehe,
nach jenem Leben, das ich nicht verstehe,
und warst mir jüngst doch noch so innig nah.

Ich soll hinab mit dir in deine Welt,
aus der die Schauer der Verwesung hauchen,
ins Reich des Todes soll ich mit dir tauchen,
das wie ein Leichnam fort und fort zerfällt?

Wohl gibt es meinesgleichen, eingeweiht
in eure fürchterlichen Daseinsstufen…
Doch ich bin’s nicht. Nur wie verworrnes Rufen
erschreckt das Wort mich Eurer Zeitlichkeit.

Lass mich mein Haupt verhüllen, bis du neu
mir wiederkehrst, so rein, wie ich dich liebe,
von nichts erfüllt als süßem Geistestriebe
und deinem Urbild wieder strahlend treu.«

Christian Morgenstern (1871-1914