GEDANKENSPLITTER – SELBSTMITLEID

KANN SELBSTMITLEID ZU CHRONISCHER KRANKHEIT WERDEN?

Diese Frage stellte sich mir eben, als ich mit meinem, mir GsD noch verbliebenen Ari an diesem kalten Wintertag nach draussen ging. Nicht weil mir danach war, sondern weil ich weiss, wie sehr er sich immer darüber freut.

Wer in mir es war, der diese Frage stellte, ist mir unklar, denn ich meine dass es mit meiner Vernunft nie sehr weit her war. Denn Vernunft setzt ja voraus, dass man imstande ist, alles was geschieht oder nicht geschieht objektiv sehen zu können. Doch dazu war ich, wie es mir scheint, eigentlich niemals wirklich imstande.

Ich hatte mir eine Vorstellung kreiert, wie diese Welt ablaufen „muss“, um für mich akzeptabel zu sein, und hatte keiner Abänderung dieser Vorstellung auch nur die kleinste Chance einer Existenzberechtigung gegeben.

Was war aber dann letztlich das Resultat dieses, wie es mir scheint „angeborenen“ Eigensinns? Ein unentwegtes Unglücklichsein gepaart mit permanenter Unzufriedenheit!

2020 hat diesem meinem Eigensinn wohl die Krone aufgesetzt mit dem Ereignis der weltweiten Pandemie, dem Schlaganfall im Juni, dem Grundwassereinbruch im Oktober im Keller unseres Hauses und nun mit dem Tod meines über alles geliebten Daniels.

Soviele Möglichkeiten gäbe es die Pandemie z.B. als gewinnbringendes Ereignis zu sehen, wie dass die Menschen wieder hilfsbereiter wurden, mehr zusammen hielten, oder die Medikamentenverordnung über ELGA, oder das Distancelerning in der Schule sowie das Homeoffice, was zu einer enormen Reduktion des Strassenverkehrs und somit zur Umweltschonung führte und noch vieles mehr.

Ein Schlaganfall ist nicht lustig, das steht mal fest. Jedoch die Tatsache, dass absolut nichts davon zurück blieb und ich die Erfahrung machen durfte, wie grossartig die Patientenversorgung in Wiener Krankenhäuser doch ist, und mir bewusst wurde, in welch wunderbaren Land ich seit 68 Jahren leben darf, wäre es doch wert beachtet zu werden!

Ebenso könnte ich doch anerkennen, dass mein Daniel die ihm von Gott gegebene Lebenserwartung von 13-15 Jahren voll ausschöpfen durfte, und bis zum letzten Tag seines Lebens schmerzfrei sein durfte – noch am Tag vorher konnte ich beobachten, wie er sich nach einem guten Abendessen am Rücken räkelte und mit den Vorderpfoten wippte, was er immer tat, wenn er sich besonders wohl fühlte.

Doch leider spielt es diese positive und stärkende Musik nicht in meinem Leben, denn solche Gedanken produziert mein Gehirn nur, wenn es dazu aufgefordert wird wie z.B. jetzt einen Blogeintrag darüber zu machen.

Es verbindet sich aber nicht mit meinem Herzen, nicht mit meinem Fühlen und damit mit meinem wirklichen Denken.

Mein wirkliches Denken und Fühlen kennt nur eines – SELBSTMITLEID. Es nimmt ausschliesslich das zur Kenntnis, was nicht so ist, wie es es sich vorstellt, und bricht augenblicklich in Tränen aus, wenn ein Geschehen eintrifft, das seiner Meinung nach „nicht sein darf“.

Und deshalb nochmals die Frage – kann Selbstmitleid zur chronischen Krankheit werden, mit der man lernen muss zu leben? Die man als „man selbst“, also als einen Teil seiner Persönlichkeit akzeptieren und annehmen muss? Lernen muss MIT ihr zu leben, anstelle alles zu versuchen, sie verändern zu wollen?

9 Antworten auf „GEDANKENSPLITTER – SELBSTMITLEID

  1. Mein herzallerliebstes Mausebärli ❤ nach meiner Meinung ist Selbstmitleid lebensnotwendig, um bestimmte Situationen und Ereignisse verkraften zu können.
    Allerdings darf man sich nicht davon mitreisen lassen, denn es ist ein schnell fließender Fluss, der einen sonst verschlingt.
    Es gibt jedoch die Möglichkeit, einfach aus dem Fluss auszusteigen oder zu schwimmen, um sicher ans Land zu kommen.
    Aber dies sind nur meine eigenen Gedanken dazu und müssen nicht auf jeden Zutreffen.
    ❤ ❤ ❤

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    1. …..Es gibt jedoch die Möglichkeit, einfach aus dem Fluss auszusteigen oder zu schwimmen…..

      Mag gut sein, dass Du Deinen Körper dazu bringen konntest, was mir aber leider verwehrt ist.
      Denn mein Gehirn glaubt mir nicht, wenn ich ihm alles positiv präsentiere. Er durchschaut augenblicklich, wenn ich ihm etwas erzähle was ich nicht für wirklich ehrlich empfinde. Und meine Nerven reagieren völlig selbständig mit Tränen und Muskelverspannungen als Folge von Erwartung weiterer schlimmer Dinge sowie als Folge der starken Verlustempfindungen, die mit meinem Charakter verbunden sind.
      Ich bin allem was geschieht hilflos ausgeliefert, weil ich nicht weiss wie man „aus dem Fluss aussteigt“. 😥

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      1. Das mein Herzblatt ❤ ist leider nicht so einfach zu erklären und erreichen.
        Es hängt vieles mit der mentalen Einstellung zu sich und dem Leben zusammen.
        Aber vielleicht nehme ich auch einfach nur mein Leben leichter bzw. akzeptiere, dass was passiert, als notwendig.
        ❤ ❤ ❤

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  2. Wenn ich es so einfach sagen darf: Sitzen und anschauen. Es ist alles total in Ordnung, was da hoch kommt. Es ist menschlich. Es ist alles ein Teil von dir. Umarme es und lasse es zu. Es ist wie mit der Angst. Nicht davonlaufen, sonst kommt es hinterher. Das ist alles. Du wirst sehen, danach geht es dir viel besser. Der Kopf redet. Lass ihn doch reden. Atme. Weine. Fühle, wie hilflos wir doch sind. Das stimmt doch auch. Und dann bist du dir ganz nah und alles ist gut. Ich drücke dich ganz doll, Monika

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    1. Liebe Monika
      Ich hatte sehr gehofft, dass Du mir antwortest, und bin dankbar, dass Du auch die Antwort gabst, die ich bereits vermutete und auch praktiziere.
      Doch ganz sicher war ich mir halt doch nicht, weil es so unglaublich weh tut. Denke mir immer, dass es doch irgendwann mal weniger schmerzen müsste, wenn ich bereit bin alles zuzulassen.
      Vermute allerdings, dass ich möglicherweise nicht wirklich ehrlich bin zu mir, und ganz tief drinnen sich immer noch ein Widerstand befindet, denn sonst würde ich nicht dauernd Zwiegespräche mit Gott führen und ihn fragen, ob es denn keinen anderen Weg gegeben hätte für seine Geschöpfe, als nur diesen durch sooo viel Leid.
      Vielen lieben Dank, Monika, dass Du Dir immer die Mühe machst mich in die richtige Richtung zu weisen, wenn ich wieder mal in einer Sackgasse lande – drück Dich ganz lieb im Gedanken ❤

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