ERINNERUNGEN

Es muss 2003/2004 gewesen sein, und ich war seit 2002 Mitglied bei den Baptisten in der Wiener Bujattigasse. Anfangs 2003, also ein Jahr nachdem ich unglaublich glücklich dort war, weil alles so perfekt schien, kam es zu einem „Zusammenbruch“ der Gemeinde d.h. ihre Meinungen gingen so diametral auseinander, dass mehr als die Hälfte der Leute die Gemeinde verliessen, und woanders eine neue gründeten.

Übrig blieben dann etwa 20-25, die sich fest vornahmen alles so weiter zu führen, wie es bisher war d.h. Gottesdienste für Erwachsene und Kinder am Sonntag, Bibellese am Mittwoch und viele weitere Veranstaltungen.

Ich übernahm die „Portiersaufgabe“ d.h. ich kam als erstes jeweils, sperrte das Haus auf und ging als letztes und sperrte das Haus zu. Dazwischen wurden die Leute, die kamen begrüsst und wieder verabschiedet. Ebenfalls war ich für den Schaukasten zuständig, der vorm Haus platziert war, und der jede Woche neu ausgeschmückt werden musste mit hübschen christlichen Accessoires und beeindruckenden Bibeltexten. Und ebenso betreute ich den Büchertisch, der gleich neben dem Eingang stand.

Doch nach gut einem weiteren Jahr hatten die meisten irgendwie keine Lust mehr, oder hatten sie keine Kraft mehr, und nach und nach gaben viele ihre übernommenen Aufgaben zurück.

Nur einer wurde niemals müde, erinnere ich mich. Er hiess Liviu Achim, war verheiratet mit 2 Kinder, kam aus Rumänien, war kaum grösser als ich, mit max. 55 kg, und war Zahnarzt hier in Wien.

Doch gleich von anfang an war da etwas zwischen uns, das uns spürbar verband. Und wir hatten deshalb immer wieder die wunderbarsten Gespräche, die uns unglaublich viel Kraft gaben.

Doch es kam wie es kommen musste, denn die, die nach der Spaltung geblieben sind, waren die meisten Pensionisten mit wenig Einkommen, und deshalb reichte die Kollekte nicht aus, um alles bezahlen zu können. Damit mussten wir das Haus zurück an die Baptistenleitung geben, die es dann an die Gruppe gab, die weggegangen waren.

Doch Liviu sagte: „Gott ist so gross, hinter allem was geschieht steckt sein göttlicher Plan“.

Es war üblich bei uns, dass sich Menschen Lieder wünschen durften, die sie gerne hören möchten, und ich kann den Blick von Liviu nicht vergessen, mit dem er mich ansah mit Tränen in den Augen, als jemand sich dieses hier gewünscht hatte.

Ich vermisse Euch alle soooo sehr, die ihr schon gehen musstet: Dagny, Fredric, Josef, Erich, Lisa, Irmgard, und hoffe auf ein Wiedersehen DA OBEN!