GEDANKENSPLITTER – LIEBE

Rückblickend bestand mein ganzes Leben ausschliesslich aus der Suche nach „der wahren Liebe“, wobei ich aber niemals wirklich erklären konnte, was genau ich darunter verstand.

Mehr oder weniger vernebelt würde ich heute sagen, dass ich von mir selbst und natürlich auch von anderen erwartet hatte, dass jeder irgendwann „die grosse Liebe“ findet, und glücklich und zufrieden ist bis an sein Lebensende, weil er damit den Sinn seines Lebens erfüllt.

Warum aber, frage ich mich, drehen sich alle Liebesfilme und Liebeslieder genau darum, was auch ich im Kopf habe, und doch hat es mit der Realität überhaupt nichts zu tun?

Menschen begegnen einander, geniessen oft Jahre lang die wunderbarsten Gefühle zusammen, ohne auch nur eine Sekunde daran zu denken, dass es einmal nicht mehr so sein könnte, und dann ist es mit einem Mal vorbei.

Man trägt einander nur noch als Erinnerung im Herzen und es beginnt ein neues Leben, eine neue Liebe, bis auch diese verblasst und nur noch eine vage Erinnerung ist.

Und irgendwann ist man alt und grau und fragt sich: „Und was war der wirkliche Sinn des Ganzen, soferne alles überhaupt einen Sinn hatte?

Ein ganz typisches Beispiel für mich ist die Liebe zwischen Leonard Cohen und Marianne Ihlen. Sein ganzes Leben lang war sie die grosse Liebe seines Lebens gewesen, und doch waren ihnen nur etwa 7 Jahre der Gemeinsamkeit auf Hydra vergönnt, bis Cohen zurück nach Kanada ging, Marianne alleine zurück liess, und eine Beziehung mit einer anderen begann, obwohl er ihr nach wie vor schrieb, wie sehr er sie vermisst.

50 Jahre später erfuhr er, dass sie an Leukämie erkrankt war und im Sterben lag, und er schrieb ihr „ich bin ganz nahe hinter Dir, mein Schatz. Streck die Hand aus und Du kannst meine Gegenwart spüren“. Marianne starb Ende August 2016 und Leonard Anfang November 2016.

Was stimmt nicht mit uns Menschen???? Wieso schaffen es nur so wenige ihrem Herzen zu folgen?

TAGEBUCH – DIENSTAG, 15. 2. 2022

Nach langem Überlegen will ich doch einmal darüber schreiben, wie es in mir aussieht seitdem ich im Juni 2020 einen Schlaganfall hatte. Man unterscheidet hier immer zwischen einem leichten, den man TIA nennt (transistorisch ischämische Attacke und einem schweren, bei dem die Lähmungen zum Teil bleiben, und die eine Reha notwendig machen. Ich gehörte zu den „Glücklichen“ mit einem TIA, denn es blieb nichts zurück.
Ausser dem Wissen jetzt wie vulnerabel wir Menschen doch eigentlich sind.
Wo ich vorher „nur“ am Jammern war, weil ich nichts mehr fand, was mich wenigstens einigermassen interessiert hätte, und mein Leben zwischen immer wieder auftauchenden Panikattacken und Depressionen hin und her pendelte, fand ich nach der Spitalsentlassung doch noch etwas, was mich irgendwie anzog, und mir ein Ziel vor Augen setzte, diese Lebensweise die die Kabbalah lehrte für mich zu entdecken.

Wo ich zwar bereits 2018 vieles darüber las, war es kein wirkliches Lernenwollen, sondern lediglich eine Art Information, die ich darüber sammelte. Doch jetzt wollte ich es lernen, um es auch für mich anzuwenden und diese Versprechung der Kabbalisten für mich zu erhaschen, die sich so ausdrückt:

„Kabbalah ist der Schlüssel zur verborgenen Weisheit. Indem der Mensch seinen wahren Zweck im Leben erkennt erreicht er Perfektion, Frieden, unbegrenzte Freude und die Fähigkeit, Zeit und Raum zu transzendieren, während er noch in dieser Welt lebt“.

Dieser Schlüssel, so sagen die Kabbalisten ist die Annulierung des Egos, indem man alles was man tut mit der Absicht „nicht für mich“ krönt.
Jesus drückte es anders aus, indem er sagte: “ Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst „

Und so verbrachte ich die letzten 20 Monate damit, alle meine Aktionen und Reaktionen, an die ich mich aus den vergangenen 69 Jahren erinnern konnte zu durchleuchten, und zu überlegen, was ich jeweils hätte anders machen können, wenn ich diesen Leitsatz in meinem Kopf und in meinem Herzen gehabt hätte.

Und ebenso kritisch beobachtete ich jetzt meine Gedanken, mein Reden und mein Handeln.

Das Resultat fiel absolut vernichtend für mich aus. Nicht nur rückblickend sondern ebenso gegenwärtig. Denn nichts, absolut nichts war und ist mir möglich, ohne mich selbst in absolutem Vordergrund zu sehen.

Und würde ich es „gewaltsam“ ändern, dann käme es nicht vom Herzen, und hätte vermutlich sogar Aggressionen zur Folge, die so ein Vorhaben soundso sofort zunichte machten.

Aber nicht nur, dass ich an meinem Ziel kläglich gescheitert war, habe ich jetzt Bilder vor Augen von Aktionen aus meiner Kindheit, meiner Jugend und all den vielen Jahren, in denen ich niemals danach fragte, wie es meinen Mitmenschen ging. Mich niemals fragte, was meine Handlungen in den Herzen anderer ausgelöst haben. Mich niemals fragte, was sich die Menschen, die in meinem Leben eine Rolle spielten, sich von mir erwartet hätten.

Und diese Bilder, die ich vermutlich nie mehr los werde, machen mir das Leben zur Hölle. Es vergeht kein Tag wo ich nicht immer wieder in Tränen ausbreche und alle meine jemals getroffenen Entscheidungen infrage stelle, und mich frage, wie es denn dazu kommen konnte, dass ich mich zu so einem egozentrischen Monster entwickelt hatte, das nur das eigene Wohl im Sinn hatte.

Nur manchesmal, wenn ich Glück habe, ertönt da eine leise Stimme in mir die mir sagt: „du wusstest es nicht besser, denn da war keiner, der es dir vorgelebt hätte“.

DER LEITGEDANKE VON GUT AIDERBICHL

„AUCH WENN ES GELÄNGE, DIE TIERE VOR UNS ZU SCHÜTZEN,
WIR HÄTTEN NICHTS ERREICHT.

ERST, WENN ES GELINGT, DIE TIERE NICHT MEHR SCHÜTZEN ZU MÜSSEN,
SIND WIR AM ZIEL.

DANN HABEN WIR ETWAS VERÄNDERT : UNS „

Das ist unsere Vision, unsere Gemeinschaft, und dafür leben wir, Tag für Tag.
Michael Aufhauser
Gründer von Gut Aiderbichl

https://www.gut-aiderbichl.com/

ERINNERUNGEN

Es muss 2003/2004 gewesen sein, und ich war seit 2002 Mitglied bei den Baptisten in der Wiener Bujattigasse. Anfangs 2003, also ein Jahr nachdem ich unglaublich glücklich dort war, weil alles so perfekt schien, kam es zu einem „Zusammenbruch“ der Gemeinde d.h. ihre Meinungen gingen so diametral auseinander, dass mehr als die Hälfte der Leute die Gemeinde verliessen, und woanders eine neue gründeten.

Übrig blieben dann etwa 20-25, die sich fest vornahmen alles so weiter zu führen, wie es bisher war d.h. Gottesdienste für Erwachsene und Kinder am Sonntag, Bibellese am Mittwoch und viele weitere Veranstaltungen.

Ich übernahm die „Portiersaufgabe“ d.h. ich kam als erstes jeweils, sperrte das Haus auf und ging als letztes und sperrte das Haus zu. Dazwischen wurden die Leute, die kamen begrüsst und wieder verabschiedet. Ebenfalls war ich für den Schaukasten zuständig, der vorm Haus platziert war, und der jede Woche neu ausgeschmückt werden musste mit hübschen christlichen Accessoires und beeindruckenden Bibeltexten. Und ebenso betreute ich den Büchertisch, der gleich neben dem Eingang stand.

Doch nach gut einem weiteren Jahr hatten die meisten irgendwie keine Lust mehr, oder hatten sie keine Kraft mehr, und nach und nach gaben viele ihre übernommenen Aufgaben zurück.

Nur einer wurde niemals müde, erinnere ich mich. Er hiess Liviu Achim, war verheiratet mit 2 Kinder, kam aus Rumänien, war kaum grösser als ich, mit max. 55 kg, und war Zahnarzt hier in Wien.

Doch gleich von anfang an war da etwas zwischen uns, das uns spürbar verband. Und wir hatten deshalb immer wieder die wunderbarsten Gespräche, die uns unglaublich viel Kraft gaben.

Doch es kam wie es kommen musste, denn die, die nach der Spaltung geblieben sind, waren die meisten Pensionisten mit wenig Einkommen, und deshalb reichte die Kollekte nicht aus, um alles bezahlen zu können. Damit mussten wir das Haus zurück an die Baptistenleitung geben, die es dann an die Gruppe gab, die weggegangen waren.

Doch Liviu sagte: „Gott ist so gross, hinter allem was geschieht steckt sein göttlicher Plan“.

Es war üblich bei uns, dass sich Menschen Lieder wünschen durften, die sie gerne hören möchten, und ich kann den Blick von Liviu nicht vergessen, mit dem er mich ansah mit Tränen in den Augen, als jemand sich dieses hier gewünscht hatte.

Ich vermisse Euch alle soooo sehr, die ihr schon gehen musstet: Dagny, Fredric, Josef, Erich, Lisa, Irmgard, und hoffe auf ein Wiedersehen DA OBEN!

ERINNERUNGEN AN GENO

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann überrascht es mich selbst, dass mir der Tod von Geno so dermassen nahe geht, obwohl wir in den letzten 3-4 Jahren nur selten Blogkontakt hatten.

Heute habe ich „zufällig“ die Antwort darauf gefunden. Es waren seine Aufnahmen, die in You Tube zu finden sind, die Geno ein für alle mal in mein Herz katapultiert hatten. Denn es ist nur der Kopf der vergisst, die Seele (der göttliche Funken im Menschen) vergisst niemals wem sie ihr Herz geschenkt hat.

Alle die dieses Video nicht kannten, werden vermutlich genauso wie ich damals sagen: „Mein Gott, ist das ein guter Typ“.