AUF UNSERE SEELE HÖREN

Wir müssen auf unsere Seele hören, wenn wir gesund werden wollen!
Letztlich sind wir hier, weil es kein Entrinnen vor uns selbst gibt.

Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und im Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht.
Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es keine Geborgenheit.
Solange er fürchtet, durchschaut zu werden, kann er weder sich selbst noch andere erkennen – er wird allein sein.

Hl. Hildegard von Bingen

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DEINE KINDER SIND NICHT DEINE KINDER

Deine Kinder sind nicht Deine Kinder,
sie sind die Söhne und Töchter
der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch Dich, aber nicht von Dir,
obwohl sie bei Dir sind, gehören sie Dir nicht.
Du kannst ihnen Deine Liebe geben, aber nicht
Deine Gedanken; denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Du kannst ihrem Körper ein Heim geben,
aber nicht ihrer Seele, denn ihre Seele wohnt im
Haus von morgen, das Du nicht besuchen kannst,
nicht einmal in Deinen Träumen.
Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein,
aber nicht, sie Dir gleich zu machen,
denn das Leben geht nicht rückwärts
und verweilt nicht beim Gestern.
Du bist der Bogen, von dem Deine Kinder
als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Lass Deine Bogenrundung in der Hand
des Schützen Freude bedeuten!

Kahlil Gibran aus „Der Prophet“

HELLO DARKNESS MY OLD FRIEND

Kann mich nicht erinnern diese grossartige Beschreibung der Stille jemals zur Kenntnis genommen zu haben.

Viel zu unbeschwert waren die 60er und 70er gewesen, als dass ich meine Zeit damit vergeudet hätte, über die Stille nachzudenken. Welch süsser Vogel Jugend !!!

The Sound of Silence Songtext

Hello, darkness, my old friend
I’ve come to talk with you again
Because a vision softly creeping
Left its seeds while I was sleeping
And the vision that was planted in my brain still remains
Within the sound of silence

In restless dreams I walked alone
Narrow streets of cobblestone
‚Neath the halo of a streetlamp
I turned my collar to the cold and damp
When my eyes were stabbed by the flash of a neon light
That split the night
And touched the sound of silence


And in the naked light I saw
Ten thousand people, maybe more
People talking without speaking
People hearing without listening
People writing songs that voices never shared
No one dared
Disturb the sound of silence

„Fools“, said I, „You do not know“
„Silence like a cancer grows
Hear my words that I might teach you
Take my arms that I might reach you“
But my words like silent raindrops fell
And echoed in the wells of silence

And the people bowed and prayed
To the neon god they made
And the sign flashed out its warning
In the words that it was forming
And the sign said
„The words of the prophets are written on the subway walls
And tenement halls
And whispered in the sounds of silence“

ICH STELLE MIR GERADE VOR …..

wie ein Mensch sich fühlen müsste, könnte er über einen solchen Glauben verfügen, den 91. Psalm vollends auf sich selbst zu beziehen.

Welch unvorstellbare Glückseligkeit würde da wohl in seinem Herzen wohnen!

PSALM 91

Unter dem Schutz des Höchsten
1 Wer im Schutz des Höchsten wohnt, der ruht im Schatten des Allmächtigen. 2 Ich sage zum HERRN: Du meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich vertraue. 3 Denn er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus der Pest des Verderbens. 4 Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, Schild und Schutz ist seine Treue. 5 Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt, 6 nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag. 7 Fallen auch tausend an deiner Seite, dir zur Rechten zehnmal tausend, so wird es dich nicht treffen. 8 Mit deinen Augen wirst du es schauen, wirst sehen, wie den Frevlern vergolten wird. 9 Ja, du, HERR, bist meine Zuflucht. Den Höchsten hast du zu deinem Schutz gemacht. [1] 10 Dir begegnet kein Unheil, deinem Zelt naht keine Plage. 11 Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. 12 Sie tragen dich auf Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt; 13 du schreitest über Löwen und Nattern, trittst auf junge Löwen und Drachen. 14 Weil er an mir hängt, will ich ihn retten. Ich will ihn schützen, denn er kennt meinen Namen. 15 Ruft er zu mir, gebe ich ihm Antwort. In der Bedrängnis bin ich bei ihm, ich reiße ihn heraus und bring ihn zu Ehren. 16 Ich sättige ihn mit langem Leben, mein Heil lass ich ihn schauen.

TAGEBUCH – 2. November 2020

Gestern nachmittags fing es neuerlich an mit starken Regenfällen, und gegen 20h war es bereits so, dass mit der kleinen Behelfspumpe alle 15 – 20 Minuten der volle Schacht ausgepumpt werden musste.

Nachdem es sich ja um keine Schmutzwasserpumpe handelt, konnten wir es nicht riskieren, sie auf Dauerpumpen in den Schacht zu stellen. Sondern wechselten uns ab, sodass letztlich jeder von uns immer 30-40 Minuten ruhen konnte.

Von schlafen war natürlich keine Rede, es war lediglich eine ausgiebige Gelegenheit sich im Autogenen Training zu üben.

Jetzt ist es 07.07 und wir hoffen gegen 07.30 unseren Installateur zu erreichen, um dem gründlich unsere Meinung zu geigen, was er sich dabei gedacht hat, von dem Maurer einen Schacht stemmen zu lassen, ohne anschliessend sofort die Pumpe zu montieren.

Und dann können wir nur hoffen, dass er mit der dafür vorgesehenen Pumpe schnellstens vorbeikommt, denn wir sind am absoluten Ende unserer physischen Kräfte – von den psychischen ganz zu schweigen.

Im Augenblick kann ich mir eigentlich gar nicht wirklich vorstellen, dass dieser Keller jemals wieder „normal“ genutzt werden kann, und ich denke, dass es Zeit wird, mir Gedanken darüber zu machen, wo ich die Gefrierschränke und die Waschmaschine jeweils im Haus unterbringen könnte, falls sich meine Befürchtung bewahrheitet.

Doch jetzt fällt mir ein, dass meine Blogfreundin Tanja immer die Engel anruft, wenn sie in Not ist – vielleicht helfen sie ja mir auch.

DANKBARKEITS – TAGEBUCH 8

Gestern war ich auf einem absoluten mentalen Tiefpunkt angelangt, denn ich sah keine zufriedenstellende Lösung wegen der Kellersanierung.

Die Vorstellung, dass die angebrachten Bodenfliesen und die sich darunter befindliche Klebemörtelisolierung ebenso auch an allen Kellerwänden ja komplett entfernt werden müssten, um eine neuerliche Isoliermasse aufzutragen, liess mich förmlich vor Grauen erstarren, wenn ich ehrlich sein darf.

Denn das hiesse für mich stundenlanges oder sogar tagelanges Bohren, Hämmern und Stemmen im Haus, und vorallem die Anwesenheit von vielen Menschen im Haus, die wohl kaum bei der Arbeit Masken tragen würden.

Das war für mich ein solches „NoGo“, dass ich mir auf You Tube Video ansah, wo der Vorschlag meines Installateurs demonstriert wird, eine Vertiefung in den Boden zu machen, um dort eine Pumpe zu platzieren, die sich sofort einschaltet, wenn Wasser von aussen eindringt, um es in den Abwasserkanal zu befördern.

Und ebenso gibt es sogenannte Taucherpumpen, die soweit flachsaugend sind, dass diese eventuell auch noch woanders eintretende Feuchtigkeit augenblicklich aufsaugt.

Dass ich sehen konnte, wie sowas funktioniert, hat mich jetzt soweit desensibilisiert, dass ich heute einigermassen beruhigt meinen Installateur anrief, um ihm diesen Auftrag zu geben.

Für kommende Woche sagen die Wetterfrösche wieder trockenes Wetter mit frühlingshaften Temperaturen an für Wien, was mich hoffen lässt, dass in einer Woche, alles was in den Keller gehört, und sich jetzt überall im Haus staut, sich auch wieder dort befinden wird.

So Gott will – Baruch ata Adonai, Elohenu, Melech ha Olam.

Ein herzliches Schabbat Schalom allen meinen Lesern

ICH FÜRCHTE

dass es dann vermutlich wirklich der letzte Sommer war für meinen Fliederbaum, denn eben lese ich in den Nachrichten, dass es in Europa Massen an Kastanienbäumen trifft, die mit einer Herbstblüte noch das letzte aus sich herausholen möchten.

Philipp Schönfeld vom Projekt „Stadtgrün 2021“ der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) sagt: „Salopp formuliert gilt das Prinzip: Wenn ich ohnehin sterben muss, möchte ich bis dahin wenigstens noch möglichst viele Nachkommen zeugen.“ Die Herbstblüte ist ein letztes Aufbäumen eines Baumes, der den Frühling vielleicht nicht mehr erlebt.

Als ich diese Formulierung las, wurde mir sehr schwer ums Herz, denn ein Kastanienbaum war es, der mich durch meine Kindheit begleitete. Er stand unmittelbar vor unseren Fenstern im 3. Stock eines Wiener Gemeindebaues, und ich konnte jeden Abend die vielen Vögelchen hören, die in seinen Ästen sassen und ihr Abendlied sangen.

Ich komme nur sehr schwer klar damit zur Kenntnis nehmen zu müssen, dass so vieles, was mir in meinem Leben wichtig war, bald nicht mehr existieren wird.

Muss aber auch zugeben, dass ich im Augenblick keine stabile Seelenstimmung habe, denn nach einer fast sommerlichen Woche kam gestern Abend der Herbst mit Regen und starkem Temperaturrückgang nach Wien.

Und die Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind in der letzten Woche förmlich explodiert. Waren es vor zwei Wochen noch 6-700 am Tag so sind wir jetzt bei über 1.200 angekommen, Tendenz steigend, von denen sich zwei Drittel nicht zurück verfolgen lassen. Mit einem Wort: die Sache ist ausser Kontrolle und die Regierung trägt sich mit dem Gedanken ab 16. November einen erneuten dreiwöchigen Lockdown zu starten.

Und ich muss ehrlich zugeben, dass mir das ganze eine Scheissangst macht…..Gott sei uns gnädig!

ERKENNTNIS

Erkenntnis

Willst du, o Herz! ein heitres Ziel erreichen,
Musst du in eigner Angel schwebend ruhn;
Ein Tor versucht zu gehn in fremden Schuhn,
Nur mit sich selbst kann sich der Mann vergleichen!

Ein Tor, der aus des Nachbars Bubenstreichen
Sich Trost nimmt für das eigne schwache Tun!
Der immer um sich späht und lauscht und nun
Sich seinen Wert bestimmt nach falschen Zeichen!

Tu frei und offen, was du nicht kannst lassen,
Doch wandle streng auf selbstbeschränkten Wegen
Und lerne früh nur deine Fehler hassen!

Dann gehe mild den anderen entgegen!
Kannst du dich selbst nur fest zusammenfassen,
So hängt an deine Schritte sich der Segen.

Gottfried Keller (* 19. Juli 1819 in Zürich; † 15. Juli 1890 ebenda)

MELANCHOLIE

Melancholie

Sei mir gegrüßt, Melancholie,
Die mit dem leisen Feenschritt
Im Garten meiner Phantasie
Zu rechter Zeit ans Herz mir tritt!
Die mir den Mut, wie eine junge Weide,
Tief an den Rand des Lebens biegt,
Doch dann in meinem bittren Leide
Voll Treue mir zur Seite liegt!

Die mir der Wahrheit Spiegel hält,
Den düster blitzenden, empor,
Dass der Erkenntnis Träne schwellt
Und bricht aus zagem Aug hervor.
O strenge Rache nimmst du Dunkle immer,
Wenn ich dich mehr und mehr vergaß
Ob lärmendem Geräusch und Flimmer,
Die doch an meiner Wiege saß!

Es hängt mein Herz an eitler Lust
Und an der Torheit dieser Welt;
Oft mehr als eines Weibes Brust
Ist es von Außenwerk umstellt!
Und selbst den Trost, dass ich aus eignem Streben,
Dass alles nichtig ist, erkannt,
Nimmst du und hast mein stolz Erheben
Zu Boden alsobald gewandt,

Wenn du mir lächelnd zeigst das Buch
Des Königs, den ich oft verhöhnt,
Aus dem es, wie von Erz ein Fluch:
Dass alles eitel sei! ertönt.
Und nah und ferne hör ich dann erklingen
Gleich Narrenschellen ein Getön –
O Göttin, lass mich dich umschlingen,
Nur du, nur du bist wahr und schön!

Gottfried Keller, geboren am 19. Juli 1819 in Zürich; gestorben am 15. Juli 1890 in Zürich, war ein Schweizer Politiker und Autor, der nachhaltig vom literarischen Vormärz beeinflusst und inspiriert wurde, dessen Werk allerdings dem Realismus zugeordnet werden kann.