TAGEBUCH – Donnerstag, 5. Dezember 2019

Morgen in einer Woche bin ich wieder in der Ordination meines neuen Arztes, eines Internisten/Kardiologen, wo u.a. ein Carotis Ultraschall gemacht wird, um zu prüfen, wie es nun wirklich mit der Erkrankung meiner Arterien aussieht.

Eine Woche vorher, so sagte mir dieser Arzt, möchte er neuerliche Laborwerte über die Cholesterine haben, um zu sehen, ob es zu einer weiteren Senkung dieser, durch die erhöhte Dosierung der Medikamente gekommen war.

Der Blutdruck senkte sich jetzt dauerhaft von 145/88 – 165/95 um rund 10%, dank der doppelten Dosierung. Doch bin ich nicht sicher, ob das genug sein wird.

Beim praktischen Arzt erfuhr ich montags, dass der Proteinlipid a Wert nur ein einziges Mal gemessen wird, weil sich dieser angeblich nicht verändern lässt. Doch er ging auf meine Angst ein, dass ja auch ein Fehler im Labor passiert sein kann, und ich gar keine Werte von 466 habe …seufz, und so wurde dieser ebenfalls heute nochmals geprüft.

Es war sehr mühsam heute, denn es gab weder einen Parkplatz in der Nähe, noch hatte ich den Eindruck, dass die Leute dort wirklich bemüht waren, ihre Arbeit so schnell wie möglich zu erledigen.
Und so dauerte es eine Dreiviertelstunde bis ich wieder beim Wagen war, obwohl ich nur einen Parkschein von einer halben Stunde ausgefüllt hatte. Also hatten sich meine Befürchtungen, dass ich bereits einen Strafzettel habe, doch nicht bestätigt.

Anschliessend musste ich leider auch noch auf die Post um drei Erlagscheine aufzugeben, in die Buchhandlung, und ein paar Einkäufe beim Merkur (Rewe) erledigen, bis ich endlich wieder nach Hause konnte.

Es muss äusserst strapaziöse gewesen sein für meine Nerven, denn als direkt vor mir ein Autofahrer meinte, die Spur wechseln zu müssen, bin ich voll ausgerastet, und habe ihn mit Schimpfwörter bedacht, von denen ich nicht einmal wusste, dass ich sie kannte. 😳
Zum Glück hörte er mich ja nicht. 🙂

Tja, es ist mein erster Winter ohne Psychopharmaka, und die ständige Muskelverspannung, hervorgerufen durch eine Eiseskälte in den letzten Tagen in Wien, zeigt deutlich, dass mein Nervenkostüm nicht das beste ist.

Mehrmals passierte es im letzten Monat, dass ich aus heiterem Himmel in Tränen ausbreche, und nur eine heisse Dusche half, das Zittern zu beruhigen, das mich im Griff hatte, und ich begann zu überlegen, ob ich überhaupt imstande sein werde, mein Leben ohne ADs weiter zu führen.
Doch meine Entscheidung blieb fest – keine Psychopharmaka mehr.

Eine heisse Dusche und warm eingepackt mit der Bhagavad Gita zum Lesen in den Fauteuil kuscheln, bis sich alles wieder von selbst beruhigt…..oder auch nicht – man wird sehen.

Allerdings eines konnte ich heraus finden. Keine Proteine und keine Süssigkeiten zum Abendessen, sondern ausschliesslich Kohlehydrate, wenn ich eine erholsame Nacht haben möchte.
Fleischreiches oder viel Süsses putscht meinen Körper dermassen auf, dass ein einschlafen unmöglich ist.
Auf einen Teller Spaghetti, Reis-oder Kartoffelgerichte oder Gemüselaibchen werde ich schnell müde, und schlafe tief und fest gute 8 Stunden lang.

Hmm…ist ja auch nicht schlecht zu wissen 😀

TAGEBUCH – MONTAG, 10. JUNI 2019

Drei Monate und sechs Tage ist es jetzt her, dass ich die ADs (SSRI), die ich fast zwei Jahrzehnte lang genommen hatte, abgesetzt habe.

Die darauf hin eingesetzte Schlaflosigkeit konnte ich mit den Nahrungsergänzungsmitteln L-Tryptophan und 5-HTP ausgleichen, die das jetzt fehlende Serotonin ersetzen, und ich mich wieder über eine gute Nachtruhe freuen darf.

Was jetzt noch offen blieb, ist die zugenommene Trägheit des Darms, was mir leider keine Ruhe lässt. Also habe ich mich zitternden Herzens entschlossen mir eine Internistin zu suchen, bei der ich am 16. Juli den ersten Termin habe.

Und nachdem ich jetzt mit 66 Jahren noch niemals eine Vorsorgeuntersuchung gemacht habe, werde ich es wohl akzeptieren müssen, dass sie mir eine solche empfehlen wird, wo auch eine Koloskopie mit eingeschlossen ist.

Ich denke mal, dass es allemal besser ist diese paar Wochen, bis alles erledigt ist, durchzustehen, anstatt dauernd Angst zu haben, dass mein Körper womöglich bereits voll mit Metastasen ist.

Ja, jetzt habe ich es endlich ausgesprochen, dass Darmkrebs für mich so ziemlich das Schlimmste wäre, was ich mir vorstellen kann.
Denn wenn z.B. mein Herzschlag rumpelt, weil ich diagnostizierte Herzrhythmusstörungen habe, dann lässt mich das völlig kalt.

Denn was kann einem Menschen besseres passieren, als dass das Herz einfach stehen bleibt. Keine Krankenhausaufenthalte, keine Operationen, keine Schmerzen und Ängste – welch ein wunderbarer Abgang.

Aber Darmkrebs???? Welch eine Horrorvorstellung für mich!

Und doch müsste ich es schlucken, wenn es wirklich so wäre, sage ich mir. Aber dann müsste ich mir nicht den Vorwurf machen, dass ich zu feige war, um es vorzeitig abzuklären, und mir die Chance damit für eine Heilung nehme.

Und Ja – ich bin feige, sehr sogar. Aber dazu fällt mir eben der Titel eines Buches ein, das der grossartige Wiener Psychiater Viktor Frankl schrieb: „TROTZDEM JA ZUM LEBEN SAGEN“.

Ich wünsche allen meinen Lesern einen schönen Pfingstmontag, und hoffe, dass bei allen die Sonne scheint, so wie hier in Wien mit 30°….puhhh.

EINE UNGLAUBLICHE ERFAHRUNG

Nach fast 20jähriger Dauereinnahme von Antidepressiva in Form von Serotoninwiederaufnahmehemmer hatte ich anfangs des Jahres beschlossen, auf diese ein für allemal zu verzichten.

Leider hatte sich aber sehr bald gezeigt, dass sich die Funktionen der Darmtätigkeit enorm reduzierten, ich also an massiver Verstopfung litt; und ebenso konnte ich kaum noch wirklichen Schlaf finden.
Wenn es hoch kam schlief ich 4 Stunden am Stück und den Rest der Nacht verbrachte ich nur noch in einem Dösmodus.

Da hörte ich von dem Nahrungsergänzungsmittel L-Tryptophan. Einer Aminosäure die als Vorbote zur Serotoninbildung gilt, und in vielen Fällen nicht ausreichend durch Nahrungsmittel aufgenommen wird.
Oder aber die Gehirnschranke nicht in seiner Gänze überschreiten kann – warum auch immer.

Es dauerte nur drei Tage, nachdem ich täglich eine Kapsel mit 500 mg Tryptophan einnahm, und alles lief wieder wie am Schnürchen. Ich hatte wieder die selbe Schlafqualität wie mit den ADs, und die selbe gut funktionierende Verdauung.

Das einzige was nach wie vor Probleme macht ist die fehlende Innere Ruhe und die damit einhergehenden Auftritte von leichten Panikattacken.
Doch soweit ich mich erinnere, haben die ADs dieses Problem auch nicht wirklich gelöst gehabt. Ausser wenn ich trizyklische Präparate oder sogar Benzodiazepine einnahm.

Vor einigen Tagen las ich von einem weiteren Nahrungsergänzungsmittel mit Namen Ashwagandha. Es soll sich hier um ein indisches Wurzelextrakt handeln, dem eine massive Angsthemmung, und Förderung der Inneren Stärke und Ruhe nachgesagt wird.

Ich habe es mir gleich schicken lassen und durfte heute die erste Tablette probieren. Es heisst, dass es 1-2 Wochen bedarf, um in den Genuss dieser Vorzüge zu kommen.
Deshalb wird es wohl auch etwas dauern, bis ich über meine Erfahrung damit berichten kann – in der Hoffnung auch hier so viel Glück zu haben wie mit dem Tryptophan.

TAGEBUCH – MONTAG, 6. MAI 2019

Heute war ein sehr schlimmer Tag, und ich kann mir nicht erklären, wieso?

Das Regenwetter mit Kälteeinbruch der letzten Tage kann doch nicht eine so massive Wirkung auf meine Mentalität haben, dass es mich in einen Tunnel ohne Licht hinein katapultiert?

Doch genau dort drinnen sitze ich seit heute morgen. Trotz 25° Raumtemperatur zittert mein Körper vor Kälte, die vermutlich von Innen kommt – keine Ahnung.

Es scheint mir, dass es nichts mehr gibt auf dieser Welt, was mir noch ein bisschen Freude machen könnte, obwohl ich meine, dass es doch so viel gibt, was echte Freude wert wäre.

Zum Beispiel habe ich gute zwei Stunden mit meinen beiden Freunden Tanja und Peter aus Hamburg und Dieter aus Bensheim über Messenger Quiz-Planet und Word Blitz gespielt.
Und sagte mir die ganze Zeit welch unglaubliche Möglichkeiten wir doch heutzutage haben, uns zu unterhalten.

Und „MEIN“ Spechtpärchen hat zwei Junge bekommen, die seit gestern unentwegt das Futterhäuschen besuchen und sich die Bäuche vollschlagen.

Und „MEINE“ Täubchen kommen auch wieder zu zweit, wo ich doch befürchtet hatte, dass eines nicht mehr am Leben sei, weil immer nur noch eines kam. Doch die hatten wohl tatsächlich abwechselnd gebrütet. Also darf ich bald auch hier mit ein paar Jungen rechnen, für die schon extra Haferflocken gekauft habe, weil ich im Internet nachlas, dass sie zu Beginn eher Weiches bevorzugen, als harte Körner und Sonnenblumenkerne.

Und die beiden Dahlien, die ich vor drei Wochen gesetzt habe, haben auch schon ausgetrieben, ganz zu schweigen von den grossen kräftigen Trieben der drei Rosenstöcke.

So viele Geschenke aus Gottes Schöpfung – NUR FÜR MICH !

Und doch sitze ich hier und spüre wie sich Tränen in meinen Augen bilden, weil ich das alles nur mit meinem Verstand zur Kenntnis nehmen kann, doch nicht mit meinem Herzen.

Vor zwei Tagen waren es drei Monate, dass ich die Antidepressiva abgesetzt hatte, und die aufgetretenen Schlafstörungen mit dem Nahrungsergänzungsmittel L-Tryptophan, das ich jetzt seit 5 Tagen nehme, scheinbar gut in den Griff bekomme. Denn seit drei Tagen schlafe ich wieder gut ein, und schaffe mit kurzen Unterbrechungen 7-8 Stunden zu schlafen.

Und doch muss da etwas sein, das mein Gemüt zu Boden drückt, und ich nichts dagegen tun kann, ausser es eben zu akzeptieren.

Ein wundervolles Mantra habe ich gestern bei You Tube gefunden, das mir für einen Augenblick ein bisschen Frohsinn verschaffte. Es erzählt von Gott und seiner Güte und Liebe zu seinen Geschöpfen.

Was würde ich dafür geben, wenn ER mir die Gnade erwiese, diese Liebe wenigstens nur erahnen zu dürfen!

Om Bhur Bhuva Swaha Tat Savitur Varenyam,
Bhargo Devasya Dhimahi Dhiyo Yonah Prachodayat

LIEBE DEINEN NÄCHSTEN WIE DICH SELBST….

Dieses eine Gebot ist die Grundlage aller Religionen und auch der Lehre der Kabbalah, welche mich jetzt seit gut einem Jahr beschäftigt, und ich die vielen Onlinekurse dazu gemeinsam mit meinem virtuellen Freund Dieter (https://dieka56welt.wordpress.com/) absolvierte.

Und deshalb ist dieses Thema auch oft Mittelpunkt unserer Gespräche, und die Frage, wie man dieses Gebot dann letztlich auch praktizieren kann.
Und als logische Erkenntnis kam dabei heraus, dass man zu allererst einmal sich selbst lieben muss ….. wobei das Wort „lieben“ ja auch erst einmal entschlüsselt werden musste ….. wobei wir uns auf „mögen“ geeinigt hatten.

Jetzt beschäftigt mich aber auch die Aussage der Kabbalah, dass die Grundvoraussetzung für INNEREN FRIEDEN ist, mit sich „authentisch zu sein“. Und ich meine, dass INNERER FRIEDEN doch die Grundlage sein muss, um mit sich selbst und anderen Menschen (wenigstens mal in Frieden) leben zu können.

Diesen Ausdruck hatte ich jetzt schon zigmal gehört, und sogar auch schon darüber gebloggt, doch RICHTIG verstehe ich ihn, so scheint es mir, erst heute, als mein Freund mir schrieb, wie gut er es findet, dass ich Dinge den Rücken kehren möchte, von denen ich deutlich spüre, „DASS ICH SIE NICHT MAG“, wie eben jetzt der Entschluss die vielen Psychopharmaka endgültig abzusetzen.

Und so verstand ich einmal wirklich, dass es heisst „authentisch zu sein“, wenn man alles, was man (an sich) nicht mag, aus seinem Leben entfernt.
Doch die logische Schlussfolgerung eigentlich wäre, sich zu überlegen was man (an sich) mag, um dieses in seinem Leben gross werden zu lassen.

Also bedarf es totaler Ehrlichkeit sich selbst gegenüber um heraus zu finden, was mag ich und was mag ich nicht. Wo habe ich die Möglichkeit mich zu ändern und wo muss ich meine Schwächen akzeptieren.

Mein erstes grosses Thema wäre jetzt also für mich zu klären, ob es zu akzeptieren ist, dass ich täglich 2 Viertel Rotwein „brauche“, um mich einigermassen entspannt zu fühlen, oder ob ich mich damit beschäftigen sollte, ob und wie ich diesen Konsum reduzieren kann?

Mal sehen, zu welchem Ergebnis ich da komme!

ICH WÜNSCHE ALLEN MEINEN LESERN EINEN GUTEN START IN DIE OSTERWOCHE

TAGEBUCH – 12. APRIL 2019

Ein relativ schwieriger Tag ist zu Ende, doch die Nacht steht noch bevor mit der bangen Frage, ob ich wohl heute wenigstens ein bisschen schlafen werde können?

Während der Zeit mit den Psychopharmaka war schlafen kein Thema, sondern das Gegenteil. Ich musste mich zwingen nach etwa 11 Stunden tiefen Schlafes sofort aus dem Bett zu kommen, um nicht erneut einzuschlafen.

Doch was vielleicht für viele traumhaft erscheinen mag, so lange durchschlafen zu können, hat die Nebenwirkung nie richtig durchstarten zu können, was leider voll auf Kosten der Freude am Leben geht, und letztlich wieder ein Auslöser für Depressionen ist.

Torsten Sträter riess darüber mal seine Witze, als er den Beipackzettel von Antidepressiva vorlas, wo als häufige Nebenwirkung Depressionen angegeben wurde. Zweifellos ein schallender Lacher, wenn man es noch nicht selbst erlebt hat.

Der derzeitige Kälteeinbruch trägt allerdings auch nicht eben dazu bei sich wohlzufühlen, denn der Absturz von 23° letztes Wochenende auf die nur noch 9° der letzten Tage macht auch meinem Kreislauf schwer zu schaffen, was im Klartext heisst, dass ich mich zu jeder Aktivität zwingen muss.

Das einzig positive am heutigen Tag war die Freude meiner Hunde zu sehen, als ich ihnen ihr wöchentliches Schabbatmahl servierte, bestehend aus Jasminreis mit Bratensaft, etwas geriebenen Karotten und viel geschnetzeltem Hühnerbrustfleisch.

Damit wünsche ich jetzt allen meinen Lesern ein

HERZLICHES SCHABBAT SCHALOM und ein geruhsames Wochenende.

TAGEBUCH – 11. APRIL 2019

5 Wochen und 3 Tage ist es jetzt her, dass ich die zwei Jahrzehnte lange Einnahme von Unmengen an Psychopharmaka eigenmächtig beendet habe, und war sehr erleichtert, als ich die ersten 3 Wochen merkte, wie es doch einigermassen problemlos auch ohne die Medikamente möglich war meinen Alltag zu bewältigen.

Doch seitdem muss ich zur Kenntnis nehmen, dass mir meine Gedanken- und Gefühlswelt Sorgen bereitet, denn irgendwie funktioniert doch vieles anders, also vorher mit den Medikamenten….die Grenzen haben sich merkbar nach hinten verschoben. Lassen Gedanken, Eindrücke und Gefühle zu, die mir Angst machen.

Hmm, nein, Angst ist nicht das richtige Wort – es ist mehr eine Art Last in meinem Kopf, eine „Altlast“ würde ich meinen, die mich nach unten drückt, und mir damit klar macht, dass es da einiges noch zum Aufarbeiten gibt.

Was allerdings nicht konform geht mit meinem Plan, den ich hatte, als ich die Entscheidung traf mich von den Psychopharmaka zu distanzieren. Denn ich meinte ja, dass ich diese nicht mehr bräuchte, wenn ich akzeptierte, dass mein Leben eben so hat sein müssen, wie es war, und ebenso sein muss, wie es ist. Und dass da nunmal keine „Neuanfänge“, in welcher Form auch immer, auf dem „göttlichen Plan“ stehen.
Denn genau mit diesem Thema hatte ich mich die letzten Jahre, mit Hilfe meines „besten Freundes“ intensivst beschäftigt, und wir waren beide zu der Entscheidung gekommen, dass wir damit absolut richtig liegen.

Doch muss ich jetzt feststellen, dass sich meine Gedanken irgendwie anders orientieren – hmm, nein, nicht anders, irgendwie noch weiter, noch ausführlicher überlegend und nach wie vor fragend, was ist der Wille Gottes für mein Leben?

Und ich bekomme immer die selbe Antwort:

„Du hast das Allerwichtigste noch nicht angepackt, nämlich die Bereitschaft allem und jedem „ZU VERGEBEN“.
VERGIB den Menschen, und damit auch Dir selbst, ihre Schwächen und ihre Ängste, und die daraus resultierenden Handlungen aus der Vergangenheit und die im Jetzt.

Einfach „NUR VERGEBEN“ – ohne langmächtiger Überlegungen, warum, weshalb und wieso.“

SUCCESS IS TO SURVIVE

„Zufällig“ wurde ich bei FB gestern auf die beiden Videos „Bird on the wire“ aufmerksam gemacht, die den mich immer so unglaublich beeindruckenden Künstler Leonard Cohen in jungen Jahren auf einer Tour als Sänger begleiten.

Auf weiterer Suche nach seinem Leben erfuhr ich auch, dass sein Herz eigentlich der Schriftstellerei gehörte, und es mehrere Bücher vorallem mit Gedichten gibt von ihm.
Dort las ich auch, dass sein ganzes Leben von tiefgreifenden Fragen und Zweifel über Gott begleitet war, und er in der Folge immer tiefer in Depressionen stürzte, die eine langjährige Behandlung mit AD’s zur Folge hatten, von denen er nach dem Absetzen sagte, dass sie ihm keine Linderung brachten.

So ziemlich alle seine Lieder handeln ja auch von verlorener Liebe und Leid, von Todessehnsucht und Gottessuche.

Erst sein Aufenthalt im Rinzai-Zen-Kloster, in den San Gabriel Mountains nördlich von Los Angeles, wo er Gedankenkontrolle lernte, und den Umgang mit anderen Menschen aufs Minimum reduzierte, machte sein Leben lebenswert.
Als er das Kloster verlassen musste, weil sein Manager sein Vermögen veruntreut hatte, und er wieder Geld verdienen musste, wurde er gefragt, wie er es denn geschafft hatte, ohne seine Erfolge und Auftritte zu leben, und er sagte:

„Der einzig wirkliche Erfolg im Leben eines jeden Menschen ist zu überleben.“

Wo immer Du jetzt bist, Leonard – ich wünsche mir, dass alle Deine Fragen beantwortet sind, und Du Deinen Frieden gefunden hast – SCHABBAT SCHALOM

ES SPIELT SICH ALLES IM KOPF AB?

Mit einem Wort – Gott und die Welt sieht so aus, wie man denkt, dass sie aussieht? Und nachdem dieses Denken über all die Jahre hinweg einen Raster bildet, der irgendwann nur noch in Endlosschleife abläuft, wird der Mensch nur noch äusserst selten bis gar nicht damit konfrontiert, diesen Raster mal auf fehlerhafte Einstellungen zu kontrollieren um diese zu löschen, und neue Programme zu installieren.

Heute ist der 22. Tag ohne Psychopharmaka und ich werde mit Gedanken und Einstellungen konfrontiert, die primär meine Gedanken und damit meinen Umgang mit anderen Menschen betrifft.

Ich spüre ganz deutlich wie sich alles in mir verkrampft, wenn ich mit anderen Menschen zusammen treffe.  Nicht nur, dass ich es als ausgesprochen unangenehm empfinde, mich auf einen Smalltalk einzulassen mit Menschen, die ich kenne, ertappe ich mich immer wieder dabei, mit einer grossen innerlichen Ablehnung konfrontiert zu werden, wenn ich z.B.  auf meinen Spaziergängen mit den Hunden fremden Menschen begegne. Also Menschen die nicht hier wohnen, und die ich demnach vermutlich als eine Art Eindringlinge betrachte …. hmm, schwer zu beschreiben, weil es sich ja um reine Gefühle handelt, die ich hier versuche zu beschreiben.

Doch diese Gefühle sind sehr wohl gepaart mit körperlichen Sensationen wie Verspannungen bis hin zu Verkrampfungen und  Kopfschmerzen, was mir andererseits so ziemlich jede Freude an meinem Leben nimmt.

Ein Gespräch mit meinem Freund ergab die Einsicht, dass ich versuchen muss, alle negativen Gedanken wenigstens mal zu neutralisieren, um sie in der Folge sogar ins Positive umzustellen, was logischerweise dann auch eine freudvolle Stimmung, und angenehme körperliche Reaktionen auslösen müsste.

Letzte Nacht allerdings kam mir ein anderer Gedanke. Nämlich ob es nicht auch möglich sein müsste, das Pferd von hinten aufzuzäumen – sprich: sich einfach nur auf die körperlichen Schmerzen zu konzentrieren.

Denn ich spüre ja ganz deutlich, wie sich alles in meiner Brust zusammenzieht, wenn ich sehe, wie mein Nachbar aus dem Wagen steigt, und mir zuwinkt.  Ich also „gezwungen“ werde stehen zu bleiben, um mit ihm einen Smalltalk zu starten.

Dass ich mich jetzt also, anstatt zu sagen: „Ach wie schön,  dass ich so einen freundlichen Nachbarn habe, und wie sehr es mir sicher Freude machen wird, jetzt ein paar nette Worte mit ihm zu tauschen“, ausschliesslich auf diesen schmerzhaften Punkt in der Brust konzentriere, um versuchen zu entspannen?

Denn irgendwo habe ich mal gelesen, dass alleine die Aufmerksamkeit auf eine schmerzende Körperfläche diesen Schmerz lindert …..will gleich mal googeln, was ich dazu alles finden kann!

Denn es kommt mir vor, dass es weit einfacher sein müsste die Kontrolle über körperliche Sensationen zu gewinnen, als einen neuen Film ins Kopfkino zu bringen.

TAGEBUCH – 15. MÄRZ 2019

Heute ist der 12. Tag ohne Psychopharmaka und ich muss sagen, dass meine Nächte aufregender sind als meine Tage, was besonders die Träume der heutigen Nacht betrifft.

Ich konnte sofort zu Anbeginn feststellen, dass alle meine Träume, seitdem ich die Medikamente nach 20 Jahren abgesetzt hatte, ausschliesslich die Zeit „davor“ betreffen.

Man sagt doch, dass man in den Träumen die täglichen Erlebnisse aufarbeitet. Doch bei mir sind es eindeutig die Erlebnisse, die ich hatte, bevor man mich mit Antidepressiva vollgestopft hatte…..quasi ein „Traumriss“.

Heute Nacht wurde ich dermassen intensiv in die 80iger und 90iger zurück gerotzt, dass ich mehrmals zittrig und schweissgebadet aufwachte, um das Fenster aufzureissen und vom Bett in meinen Schlaffauteuil zu flüchten.

Zuerst versuchte ich das Geträumte (graue Szenen von Alleingelassenwerden und dem Empfinden tiefster Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit) , zu analysieren, indem ich reale Zusammenhänge, von denen es ja mehr als genug aus meiner Kindheit und Jugend gibt, suchte. Doch damit verstärkte ich dieses nächtliche Traumata nur noch.

Also erinnerte ich mich an das Buch „Einkehr in die Heilende Stille“, von dessen Inhalt ich so begeistert war, und praktizierte alles, was Felix Riemkasten so gut darin beschreibt. Wie z.B. dass man „sich selbst vollkommen abgeben“ sollte, indem man sich ausschliesslich auf den Atem konzentriert. Und dass man es nicht selbst ist, der atmet, sondern dass man zur Kenntnis nehmen muss, dass man „geatmet wird“.  Und das einzige, was es dazu zu fühlen gibt ist der beständige Zustrom, der kommt und geht – und nichts sonst.

Und tatsächlich fand ich nach einer Viertelstunde wieder meine innere Ballance, die mir nach einiger Zeit ein Weiterschlafen ermöglichte.

Muss aber feststellen, dass die Erinnerungen an diese nächtlichen Träume immer noch voll da sind – mir also das Gefühl geben nicht in 2019 sondern Ende der 80iger zu leben, was mich ein bisschen erschreckt, wenn ich ehrlich bin.

Doch ich wusste ja, dass es nicht möglich sein wird, ohne Probleme in ein Leben ohne Psychopharmaka zu starten – also muss ich da wohl durch.