TAGEBUCH – 19. MAI 2022

Ich war schon rund 20 Minuten früher in der Ordination, wo ich heute meinen dritten Stich (Booster) bekam, und die Schwester bat mich im Vorgarten noch ein bisschen zu warten. Da stand eine Holzbank und eine grosse Linde, die vor der Sonne ein wenig Schutz bot, wo ich mich niedersetzte. Sofort fiel mir auf, dass ganz in der Nähe eine Amsel sitzt, denn ihr Gezwitscher war nicht zu überhören.

Und doch erinnere ich mich, dass ich bis zu meinem Schlaganfall in 2020 nur meine innere Stimme hörte. Die Stimme, die mir unaufhörlich erzählte, was ich alles noch brauche oder zumindest unbedingt haben möchte, und mich damit permanent unter Druck setzte.

Dass ich irgendwo in Ruhe auf einer Bank sass, und dem Gezwitscher der Vögel zuhörte, ist in meiner Erinnerung nicht zu finden, denn die Wünsche meines Ego hatten alles übertönt.

Als ich dann erfolgreich zurück zum Auto ging, erinnerte ich mich, dass ich den zweiten Stich am 9. Dezember 2021 hatte, und alle Gehsteige voll mit Schnee waren, oder hohe Schneehaufen am Strassenrand lagen. Und ich blieb stehen und schaute mir diese unglaubliche Pracht von blühenden Bäumen an, die in allen Gärten, an denen ich vorbei ging, blüten.

Und irgendwie war ich plötzlich richtiggehend überwältigt von den so unterschiedlichen Schönheiten, die diese Welt zu bieten hat.

Denn ich erinnere mich daran, dass ich an diesem 9. Dezember auch die verschneiten Strassen ganz bewusst zur Kenntnis nahm, und mich an meine Kindheit erinnerte, in der Schnee zwischen November und Februar selbverständlich war.

Ich weiss längst, dass es so ist, doch habe noch keine befriedigende Antwort darauf, wieso Erinnerungen an die Unbeschwertheit meiner Kindheit, immer so schmerzhaft sind? Es ist nur die Vermutung, dass meine Kindheit (bis 15) die einzige Zeit war, in der ich mich ehrlich über alles freuen konnte.

Und bis zum heutigen Tag habe ich keine Antwort auf meine Frage: „was war geschehen, dass ich mich mit knapp 16 Jahren, nach dem Austritt vom Gymnasium, völlig in mich zurück gezogen hatte?“ Ich hatte alle Freundschaften abgebrochen und ebenso den regelmässigen Kontakt mit meinen Eltern (ich lebte seit meinem 9.Lebensjahr bei meiner Grossmutter).

Ich erinnere mich, dass ich stundenlang in der Stadt herumlief und etwas suchte; konnte nur nicht erklären, was genau es war. Das einzige was ich wusste war, dass wenn ich es finde, es niemals mehr loslassen würde.

TAGEBUCH – 16. MAI 2022

Wie versprochen hat Wien heute 32° mit strahlendem Sonnenschein und Windstille, was eindeutig ermüdend war beim Spazierengehen mit Ari, sodass er sogar die kürzere Runde ausgewählt hat um bald wieder nach Hause in den Schatten zu kommen.

In letzter Zeit gelingt es mir immer wieder darauf zu verzichten, mich mit den Microsoft Nachrichten berieseln zu lassen. Ein baldiges Kriegsende ist sowieso nicht abzusehen, was die Zahl der Neuinfektionen angeht so sieht es ja auch recht gut aus in Österreich. Und was die Politiker sich für Gemeinheiten an den Kopf werfen, muss ich wirklich nicht wissen.

Gestern hörte ich ein Video von meinem Rabbi, der über Depressionen sprach und Lustlosigkeit und er riet dazu drei Dinge zu praktizieren, die den Menschen helfen, aus dieser negativen Stimmung wieder rauszukommen.

Schönes Hören – Angenehme Stimmen und Worte. Entweder Musik oder sich bei You Tube Meditationen mit einer Stimme anzuhören, die einem gefällt – also gut tut. Das gleiche gilt auch für Erzählungen. Auch Erwachsenen macht es Freude sich eine schöne Geschichte anzuhören – sollte keinesfalls unterschätzt werden.

Schönes Sehen – Auch hier kann das Internet sehr hilfreich sein mit der Betrachtung von schönen Bildern, schönen Landschaften und lustigen Tieren zusehen, wo man dann auch noch herzlich lachen kann.

Gute Gerüche – Eine Aromatherapie hat eine sehr schnelle Wirkung, weil Gerüche unverfälscht in die Nase und damit ins Gehirn kommen. Wenn man zu negativen Stimmungen neigt, wäre es sinnvoll sich ein paar Duftöle zu kaufen, die einem z.B. an schöne Zeiten in der Kindheit erinnern.

Bei mir ist es z.B. das Tannenöl, das mich sofort in meine Kindheit rotzt. Denn meine Grossmutter ist zu Allerheiligen immer mit mir auf den Friedhof gegangen. Und dort waren viele Stände aufgereiht, an denen man aus Tannenreisig gebundene Kränze in verschiedenen Formen kaufen konnte, um sie zum Grab mitzunehmen. Niemals mehr hatte ich diesen Tannengeruch so intensiv gerochen, wie damals, und damit ist ebenso die Freude verbunden, über eine Kleinigkeit zum Naschen, die mir meine Oma dort immer gekauft hatte. Es war ein Stanitzel mit türkischem Honig.

Hach war das ein Genuss damals 😆 und wie soooo gerne denke ich daran zurück, an diese soooo hell erleuchtete Zeit, als noch keine Dunkelheit in meinem Kopf war – nur Licht und Sonnenschein.

TAGEBUCH – 25. APRIL 2022 – WAS WAR GESCHEHEN?

Heute sofort nach dem Aufwachen kam mir die Idee herauszufinden, wie die Psalmen in die heutige Zeit passen würden. Meistens verschwinden solche Ideen im Nichts, doch diesesmal nicht, denn ich verbrachte den ganzen Nachmittag damit, diese Idee zu realisieren.

Danach zwang ich mich regelrecht das Haus nochmal zu verlassen, um mit Ari noch eine Runde zu drehen, denn so gegen 17h trifft man die meisten Menschen auf der Strasse, und ich bin leider in den letzten Jahren ausgesprochen distanziert geworden, und vermeide alle Gespräche mit anderen. Der Himmel weiss wieso !!!

Doch als ich die Stiegen zum Parkplatz runter ging, kam Michi, eine Katholikin gerade aus ihrem Haus, und ich spürte richtige Freude darüber. Wir plauderten und sprachen natürlich auch über all das Schlimme, was es jetzt in dieser Welt gibt. Doch ich fühlte mich ausgesprochen wohl. Und dann kam mein Nachbar, mit dessen Frau ich befreundet war, bis sie 2021 starb und gesellte sich dazu. Und seine beiden Hunde spielte mit Ari und tollten herum. Und ich spürte etwas, was ich vermutlich noch nie gespürt hatte – ich spürte eine Gemeinsamkeit, ja fast eine Einheit mit allem was da war.

Wir klagten einander unser Leid und erzählten einander alles Gute und Schöne in unserem Leben, und zum Schluss drangen durch den tiefgrauen Himmel auch noch die Strahlen der Sonne, und wir standen im „Hellen Licht“.

Ich meine jetzt, dass es die Apostel ungefähr so empfunden haben mussten, als zu Pfingsten der Heilige Geist über sie kam. Und ich frage mich nochmals WAS WAR GESCHEHEN?

GEDANKENSPLITTER-SINNSUCHE

Seit einigen Tagen geht mir das Leben meiner Oma, bei der ich eine unbeschwerte Kindheit verbringen durfte, und ihre Erzählungen nicht aus dem Kopf.

Ihre Mutter hatte bei ihrer Geburt im Februar 1902 sehr viel Milch zu geben, mit der sie auch andere Säuglinge versorgen konnte, und deshalb durfte sie einige Monate lang im Krankenhaus bleiben …. hmm…vermutliche hatte sie keine Wohnung, und meine Oma war ihr erstes Kind.

Doch als sie dann entlassen wurde, setzte sie dieses Kind einfach vorm Krankenhaus hin und verschwand. Doch man fand heraus, wer sie war und sie gab ihr Kind in die Fürsorge einer Familie in der Steiermark. Dort durfte sie 12 Jahre lang eine wirklich unbeschwerte und bestens versorgte Kindheit erleben – bis ihre Mutter sie zurückhaben wollte, damit sie sich um die 9 Geschwister kümmert, die inzwischen zur Welt kamen, und in einer kleinen Wohnung in Wien ihr Dasein fristeten.

Ihr Ziehvater sagte beim Abschied zu ihr „wenns Dir schlecht geht, dann schreib mir sofort, damit ich Dich holen komm“. Nach ein paar Wochen in Wien, wo sie und ihre Halbgeschwister zum Abendessen ein paar Würfel Zucker bekamen, wollte meine Oma wieder Nachhause und sie lief auf die nächstgelegene Hauptstrasse und bettelte die vorbeigehenden Menschen um Briefmarken an, damit sie Nachhause schreiben kann. Doch jemand erkannte sie und gab ihrer Mutter Bescheid.

Im Lichthof dieses Hauses befanden sich Hasenställe und in diese sperrte sie ihre Mutter ein. Sie musste mehrere Tage ohne Essen dort in den Ställen eingekauert verbringen, bis sie versprach nicht mehr weglaufen zu wollen.

„Sie war 12 Jahre und hatte ihre Kindheit in einer liebevollen Einfachheit auf einem Bauernhof verbracht – was hatte sie für eine Chance? Keine !!!!

Also hielt sie 4 Jahre lang durch und versorgte sich und ihre 9 Geschwister, von denen drei an Grippe verstarben, weil sie zu wenig zum Essen hatten, um gesunden zu können.

Mit 16 war man 1918 in Österreich grossjährig und an diesem Tag, erzählte sie mir, verliess sie diese Wohnung des Schreckens und hörte nie mehr etwas dort.

Soweit ich mich erinnern kann, fand sie sofort einen Arbeitsplatz im Haushalt einer wohlhabenden Familie, für die sie kochte und putzte, und irgendjemand, ich weiss es nicht mehr, brachte ihr bei wie man näht. Und damit, also als Schneiderin, hatte sie sich dann bis zu ihrer Pensionierung 1962 ihren Lebensunterhalt verdient.

Es wäre noch soviel mehr von ihr zu erzählen wie z.B. als sie eine sechsköpfige Judenfamilie im Keller des Hauses, für das sie als Hausmeisterin (ihre zusätzliche Tätigkeit) tätig war, versteckt hat. Und wie sie die Gestapo mit einem Besen aus dem Haus gejagt hat, die kamen weil sie eine Meldung davon erhielten – mit den Worten: „Das hier ist ein anständiges Haus, hier werden keine Juden geduldet, also raus mit Euch, denn ihr macht den Menschen hier Angst, und das dulde ich nicht“.

Und man möchte es nicht glauben – die haben sich davon auch wirklich beeindrucken lassen und entschuldigten sich sogar dafür.

Warum ich dies hier alles schreibe?

Weil ich einen Vergleich ziehe zwischen meiner Oma und mir, und mich frage wieso ich so viel weniger Lebenskraft habe als sie, obwohl mein Leben nur ein einziges Highlight war, von dem meine Oma nur träumen konnte.

Und immer wieder werde ich mit der Frage konfrontiert: „ist es wirklich zum Wohl der Menschen, wenn sie ohne Sorgen aufwachsen dürfen?

War es wirklich ein Segen für die Menschen, die mitten im Wirtschaftswunder – also zwischen 1970 und 1995 in der existenziell entscheidenden Mitte Ihres Lebens stehen durften?

NEIN!!!! traue ich mich sagen. Denn wer niemals gelernt hat um seine Existenz zu kämpfen, und daraus als Sieger hervorging, hat auch nur die geringste Chance, in Zeiten wie diesen jetzt zu überleben.

Und mit „Überleben“ meine ich, den entscheidenden Unterschied zwischen Profanem und Spirituellen zu erkennen, wobei die Betonung auf „entscheidend“ liegt.

Geno (https://www.youtube.com/watch?v=JQv0i_Blpjw ) hatte es rechtzeitig erkannt indem er sagte: „ich dachte, mein Leben sei gut, bis ich erkannte, wie schlecht es war“

Das sagte er 2005 und schaffte es 16 Jahre lang sein Leben den Tieren zu schenken, die Hilfe brauchten, (Menschen waren es ihm nicht mehr wert) doch er gab zu: „nüchtern kann ich diese Welt nicht mehr ertragen“.

Jetzt haben wir 2022 und die Nachrichten strotzen von Egozentrik, Arroganz und Hochmut. Und keine Sau kümmert sich darum, wieviel Angst und Schrecken sie alle mit ihren gefakten Äusserungen in der Welt verbreiten, denn es ist ihnen gleichgültig….völlig gleichgültig.

DER LEITGEDANKE VON GUT AIDERBICHL

„AUCH WENN ES GELÄNGE, DIE TIERE VOR UNS ZU SCHÜTZEN,
WIR HÄTTEN NICHTS ERREICHT.

ERST, WENN ES GELINGT, DIE TIERE NICHT MEHR SCHÜTZEN ZU MÜSSEN,
SIND WIR AM ZIEL.

DANN HABEN WIR ETWAS VERÄNDERT : UNS „

Das ist unsere Vision, unsere Gemeinschaft, und dafür leben wir, Tag für Tag.
Michael Aufhauser
Gründer von Gut Aiderbichl

https://www.gut-aiderbichl.com/

WAS KÖNNEN WIR ÜBER GOTT SAGEN?

Diese Frage betrefffend habe ich eine wundervolle Erklärung gefunden:

Das Wesen G-ttes ist ganz und gar unabhängig von jedem anderen existierenden Wesen. Alle anderen Wesen hängen von G-tt ab, aber Er braucht nicht andere Wesen und hängt nicht von anderen Wesen ab.
Daher kann man Ihn als die wahre Existenz charakterisieren.

Die Erklärung der obigen Aussagen ist, dass jedes Wesen nur existiert, weil G-tt will, dass es existiert.
Er lässt ständig G-ttliche kreative Energie in dieses Wesen hineinfließen.
Wenn G-tt nur einen Augenblick lang aufhören würde, diese kreative Energie zu erzeugen, dann würde dieses Wesen nicht mehr bestehen.
Dieses Geschöpf ist daher ganz und gar auf G-tt angewiesen. Dagegen setzt G-ttes Existenz keine andere Existenz, die Ihm vorausgegangen wäre. Doch der Mensch hat keine verstandesmässige Fähigkeit Gott zu begreifen.

Er hat keinen Anfang und kein Ende. Er war, ist und wird immer sein.

EIN HERZLICHES SCHABBAT SCHALOM UND GOTTES SEGEN ALLEN MEINEN LESERN.

DIE WAHRHEIT

Es ist ein paar Jahre her, da schrieb Geno (https://campogeno.wordpress.com/) auf die Frage eines Followers, warum er denn soviel trinke wortwörtlich: „nüchtern halte ich Euch alle nicht aus“.

Das hatte mir sehr zu denken gegeben, denn da war von Covid noch keine Spur, und auch sonst schien es mir einigermassen ruhig in dieser Welt zugegangen zu sein…..hmm, ich meine, dass es so 2016/17 gewesen sein muss.

Doch dann kam der Brand im Urwald von Australien, wo Millionen von Tieren elend zugrunde gingen, der von Menschen verursacht wurde, nur um sich die Taschen daraus zu füllen.

Seit 2 Jahren sucht Covid die ganze Welt heim, und tötete bereits Massen von Ärzten und Schwestern, die nichts anderes wollten, als einfach nur helfen. Und tausende Menschen haben nichts anderes im Sinn, als diese Hilfestellung zu torpentieren, indem sie vor Krankenhäusern demonstrieren, und diese Menschen bedrohen.

Und vom Volk gewählte Politiker nützen ihre Positionen um in die eigene Tasche zu arbeiten, während tausende kleine Firmen ums Überleben kämpfen oder bereits verloren haben, und jetzt nicht wissen, wie es für sie weitergehen soll.

Damals, als Geno das schrieb, konnte ich seinen Schmerz nicht wirklich nachvollziehen, doch heute kann ich das sehr wohl.

Geno hat vor 5 Monaten diese Welt verlassen, und ich hoffe von ganzem Herzen, dass es dort lebenswerter ist, wo er sich jetzt befindet.

Doch heute sage ich an seiner Stelle hier:

„TUT MIR SO LEID, DOCH NÜCHTERN HALTE ICH DIESE WELT NICHT MEHR AUS“

Gott sei unser aller Seelen gnädig.

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WELCH WUNDERVOLLE VORSTELLUNG DER CHASSIDIM

Die Astronomen haben noch längst nicht alle Sterne entdeckt und gezählt, denn viele von ihnen sind Millionen Lichtjahre entfernt und mit bloßem Auge nicht zu sehen.
Aber die sichtbaren Sterne sind für uns ein großer Trost, weil sie uns „zuzwinkern“ und uns daran erinnern, dass wir jede Herausforderung bestehen, jede Entfernung überwinden und jede Dunkelheit erleuchten können.